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Konstruktive Kritik am S.M.A.R.T.-Prinzip

(Info:) Der Artikel »Konstruktive Kritik am S.M.A.R.T.-Prinzip für Buchprojekte und andere Vorhaben« greift den vorherigen Artikel »das erweiterte S.M.A.R.T.-Prinzip für Buchprojekte und andere Vorhaben« auf und versucht einiges besser, verständlicher und nützlicher zu beschreiben. Seit der Vorstellung des S.M.A.R.T.-Prinzips sind über 40 Jahre vergangen. Im Internet wiederholen viele Autoren einfach nur, was die Ersten bereits darüber geschrieben haben. Das merkt man besonders bei der Anführung von Beispielen, die leider (zu) selten neu sind. Daher ist es Zeit für eine konstruktive Kritik am S.M.A.R.T.-Prinzip.

Inhaltsverzeichnis

1. Konstruktive Kritik am S.M.A.R.T.-Prinzip

Die fünf Punkte des S.M.A.R.T.-Prinzips, die weiterhin in klassischen Sinn für spezifisch, messbar, ausführbar, realistisch und terminiert stehen, klingen einfach und verständlich.

Was ist das S.M.A.R.T.-Prinzip?

Der Unternehmensberater Peter Drucker (1909 – 2005) entwickelte für das Projektmanagement eine Liste mit fünf Begriffen, die die Voraussetzungen sind, dass ein Projekt erfolgreich macht. Er nannte es »Specific Measurable Achievable Reasonable Time-bound« und fasste kurzum dieses sperrige Wort mit dem Akronym (eine Abkürzung, die ein Wort ergibt) »S.M.A.R.T.« zusammen.

Konstruktive Kritik am S.M.A.R.T.-Prinzip für Buchprojekte und andere Vorhaben.
Das (einfache) S.M.A.R.T.-Prinzip in zehn Punkten für das schnelle Erstellen einer soliden Planung.

Problematisch wird es jedoch bei der konkreten Beantwortung der fünf Punkte bzw. 10 Fragen, die sich auch dem S.M.A.R.T.-Prinzip ergeben.
Infolge meine Verknüpfung des S.M.A.R.T.-Prinzip mit dem goldenen Kreis nach Simon Sinek, die die Fragen nach dem WARUM (why), WIE (how) und WAS (what) stellen und dabei das WARUM als die erste und wichtigste Frage hervorhebt, habe ich gemerkt, dass man für eine Planung nach dem erweiterte S.M.A.R.T.-Prinzip gewissen Unterscheidungen machen muss.

Im folgenden werde ich die fünf Punkte, die das S.M.A.R.T.-Prinzip beschreiben, einzeln beschreiben und zudem neue Begriffe im Sinne der konstruktive Kritik am S.M.A.R.T.-Prinzip einführen.

WARUM = Glaube und doch spezifisch?

Die erste Frage nach dem WARUM erscheint mir für eine Unternehmung oder ein Projekt die wichtigste zu sein. Jedoch liefert die Frage nach dem Warum einen Wunsch, eine Vision, einen Glauben (Glaubenssatz) und/oder eine Motivation. Dabei basiert alles in erster Linie auf Emotionen. Der »Träumer« nach der »Walt-Disney-Methode« erlaubt sich jeden Gedanken, ohne auf einen inneren Zensor zu achten oder nach der Umsetzbarkeit zu fragen. Hier muss man wohl eine Unterscheidung machen. Soll das (erweiterte) S.M.A.R.T.-Prinzip auf eine Unternehmung (Unternehmen) oder auf ein Produkt angewendet werden? Simon Sinek ist dieser Unterschied beim Erstellen des goldenen Kreises (golden circle) mit seinem WHY, HOW und WHAT wohl nicht aufgefallen.
Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob das WARUM (Vision, Glaube) (S:) spezifisch sein kann. Nach meiner Meinung wäre die Bezeichnung »Sinn« oder sogar »Sinn und Zweck« ein besserer Name, da er mehr Freiheit bietet, ganz wie es der »Träumer« erwarten würde. Trotzdem ist es kein reines Wolkenkuckucksheim, sondern gerichtet auf ein positiv zu beschreibendes Ziel.

Das WARUM für ein Unternehmen

Kaum ein Unternehmen wie die Firma Apple Computer steht für die Kommunikation und das Leben ihres Warums. Dahinter steckt eine besondere Philosophie, ein Glaube, der Kritiker dazu veranlasst Apple als Pseudoreligion zu bezeichnen.

(Mac:) »Think different«

1997 startete Apple eine neue Werbekampagne, die bis 2002 lief, unter dem Titel »Think different: An alle, die anders denken: Die Rebellen, die Idealisten, die Visionäre, die Querdenker, die die sich in kein Schema pressen lassen, die, die Dinge anderes sehen. […]« In diese Zeit, 1997 – 2002, fallen die ersten bunten, kugeligen iMacs mit G3-Prozessor, die Einführung des neuen Betriebssystems Mac OS X 10 sowie der erste iPod. Auch wenn Apple später diesen Werbespruch nicht mehr nutzte, so leben die Mitarbeiter in der Firma dieses Motto und bei der Entwicklung neuer, bessere Produkte weiter. Apple wagte – und war damit trotz viel Kritik erfolgreich – den zentralen Prozessor im Apple Macintosh Computer mehrfach zu wechseln, u. a. zu Intel-Prozessoren und wieder weg davon. Apple brachte ein mobiles Telefon ohne Tasten auf den Markt, das iPhone und andere Innovationen mehr.

»Vorsprung durch Technik«

1991 warb die deutsche Audi AG, heute eine Tochterfirma von VW, mit dem Werbeslogan »Vorsprung durch Technik«, der in England nicht übersetzt wurde, sondern durch einen britischen Sprecher in Deutsch gesprochen wurde.

Eine Unternehmensphilosophie als Glaubenssatz

Nur wenige Firmen haben es wie Apple geschafft die Unternehmensphilosophie zu einem Glaubenssatz zusammenzufassen, dem Mitarbeiter und Kunden bis heute folgen.

Das WARUM für ein Produkt

Ohne die passende Unternehmensphilosophie ist in meinen Augen keine Firma in der Lage ein innovatives, erfolgreiches Produkt auf den Markt zubringen. Um 1990 kamen die ersten Mobiltelefone im D-Netz auf den Markt. Apples »Think different« führte letztlich zu der Version eines Mobiltelefons mit einem größtmöglichen Bildschirm und ohne Tasten, das unter dem Namen »iPhone« erst 2007 erschien. Steven Jobs sagte 2007 bei der Präsentation des ersten iPhones: »today, Apple is going to reinvent the phone. (Heute erfindet Apple das Telefon neu.)« Und so war es dann auch: Apple veränderte den Markt für Mobiltelefone über Nacht. Die Innovation, die Apple 2007 mit dem iPhone gelang, beruhte auf einem ganz alten, sehr einfachen Prinzip: der Negation. Die Vision mag gelautet haben: Warum erschaffen wir nicht ein Mobiltelefon, das nicht mit Tasten bedient wird? Aus der Unternehmensvision »Think different« wurde die Produktvision eines neuen Typs von Telefonen.

WIE = denkbare Lösung, Ziel und messbar?

Mit diesem Punkt habe ich die größten Probleme. Eine denkbare Lösung oder Ziel ist per se nicht messbar. Es kann am Ende mehr oder weniger erreichen oder verfehlt werden. Jedoch messen oder vergleichen zwischen einem Soll- und Ist-Wert kann ich erst in und mit einer konkreten Planung. Dann stellen sich die Fragen, ob ich noch auf Kurs bin, um das Ziel zu erreichen, und ob ich noch im Zeitplan bin.
Daher sollte das (M:) besser für das »Mittel« oder die »Methodik« stehen, die sich aus dem WARUM (Vision, Motivation, Motiv) ergibt. Das Wort »Methodik« leitet sich vom altgriechischen μεϑοδική (τέχνη) ab und bedeutet so viel wie »die Kunst des planmäßigen Vorgehens«; passend, oder?

Beispiel Apple iPod: Die Vision ist ein neuartiges Abspielgerät für Musik, das mehr Titel abspielen kann, als der damals übliche Sony Walkman, der maximal 120 min auf einer Tonbandkassette oder eine CD spielte. Um keine Kassette oder CD zu verwenden, braucht es einen anderen Datenträger, auf dem Musik gespeicherte. Das Mittel (Methodik) war der Einsatz einer kleinen Festplatte, wie sie auch in Computer und Laptops verwendet wurde.
Das WIE ist also das Mittel, die Methodik, wie die Vision umgesetzt werden kann. Dies entspricht auch dem zweiten Denkhut nach Walt Disney, dem »Realisten«, der sich realistisch fragt, WIE die Vision Wirklichkeit werden kann.

WAS = Voraussetzungen und ausführbar?

Ja, das passt gut zusammen. Im Punkt (A:) wie ausführbar müssen alle Voraussetzungen zur Durchführung bedacht werden. WAS wird benötigt und WAS muss getan werden, um den Plan zu verwirklichen. Dies entspricht dem dritten Hut der »Walt-Disney-Methode«, in dem der »Kritiker« konstruktiv sich die konkreten Bedürfnisse und Schritte überlegt.

Beispiel Apple iPod: Der Hauptbestandteil sollte eine möglichst kleine, stromsparende Festplatte sein, die zum möglichst robust und stoßunempfindlich sein sollte. Es wird sicher eine Weile gedauert haben, bis die Mitarbeiter die passenden Teile auf dem Markt fanden oder gar selbst an der Entwicklung solcher Teile mitwirkten.

Realistisch?

Der Punkt (R:) sollte besser »Realisierung« heißen. Hier kommen das (S:) für »Sinn und Zweck«, also das WARUM (Vision), das (M:) die »Methodik«, also das WIE und schließlich das (A:) für »Ausführbarkeit«, also das WAS, zusammen und gestatten die Planung in Arbeitsschritten und in der Zeit. Diese konkrete Planung ist dann auch messbar zum Beispiel durch einen Soll-Ist-Vergleich, sodass (Kurs-)Korrekturen möglich sind.

Terminiert?

Der Punkt (T:) für »Terminiert« ist abhängig von der Realisierung des Projekts. Zwar kann und sollte man Endtermin (neudeutsch »Deadline«) absetzen. Jedoch können bei der Realisierung immer unvorhersehbare Probleme auftreten, sodass man nicht zu starr an der Zeitplanung festhalten darf, wenn man das Ergebnis nicht das runter leiden soll.

2. Die konstruktive Kritik am S.M.A.R.T.-Prinzip wird zum angepassten S.M.A.R.T.-Prinzip

Das angepasste S.M.A.R.T.-Prinzip sieht für mich wie gleich beschrieben aus. Dabei wurden die schwachen Adjektive zu starken Substantiven. Zum jedem der fünf Punkt gibt es eine eindeutige Leitfrage.

  • (S:) Sinn und Zweck = WARUM glauben Sie an die Idee (Vision), die zum Projekt wird?
  • (M:) Methodik = WIE können Sie die Idee im Prinzip umsetzen?
  • (A:) Ausführbarkeit = WAS wird benötigt und WAS muss getan werden?
  • (R:) Realisierung = WELCHE Arbeitsschritte und Zeiten sind nötig, um das Projekt konkret umzusetzen?
  • (T:) Terminierung = WANN muss das Projekt fertig gestellt sein?
Das angepasste S.M.A.R.T.-Prinzip (Sinn und Zweck, Methodik, Ausführbarkeit, Realisierung und Terminierung) für Buchprojekte und andere Vorhaben
Das angepasste S.M.A.R.T.-Prinzip (Sinn und Zweck, Methodik, Ausführbarkeit, Realisierung und Terminierung).

Mein angepasste S.M.A.R.T.-Prinzip als Fachbuchautor

  • (S:) Sinn und Zweck = WARUM glauben Sie an die Idee (Vision), die zum Projekt wird?
    Ich respektiere die Leistungen anderer Autoren. Dennoch glaube ich, dass es noch viel zu Entdecken und Erklären gibt. Daher hinterfrage ich den Status quo im Sinne des »Think different«.
  • (M:) Methodik = WIE können Sie die Idee im Prinzip umsetzen?
    Ich analysiere bekannte Lösungen und gehe planvoll bei der Suche nach Neuen rund um das Schreiben im Spannungsfeld zwischen Kunst und Handwerk vor. Wenn ich auf aktuelle Erkenntnisse stoße, dann bringe ich meine Texte auf den neuesten Stand (Updates im Web oder E-Books).
  • (A:) Ausführbarkeit = WAS wird benötigt und WAS muss getan werden?
    Ich sammele aufmerksam Material aus allen mir zugänglichen Quellen (Texten, Hörbüchern oder Videoclips). Damit erweitere ich mein Wissen über das Schreiben und verbessere mein Können durch meine Texte. Für das Dürfen berufe ich mich Artikel 5 (Satz 3) Grundgesetz. Sofern ich Mitarbeiter benötige, bemühe ich die Akzeptanz für mein Projekt, in dem ich meine Idee (Vision) erläutere. Als Raum für meine Tätigkeit reicht mir ein Schreibtisch und ein Internetzugang. Mögliche Fremdkosten halten sich so niedrig wie möglich.
  • (R:) Realisierung = WELCHE Arbeitsschritte und Zeiten sind nötig, um das Projekt konkret umzusetzen?
    Ich setze ein Buchprojekt anfangs in drei Schritten um: Planen, Schreiben und Optimieren. Zuerst erstelle ich immer zuerst eine Gliederung (Inhaltsverzeichnis) für ein Buchprojekt. Dann beim Schreiben notiere oder markiere ich Fachbegriffe, die später im Glossar und/oder Stichwortverzeichnis erscheinen sollen. Schließlich optimiere ich meinen geschriebenen Text nach bestimmten Kriterien wie Wortwahl, Lesbarkeitsindex und Fehlerfreiheit. Ferner ist Schritt vier die Gestaltung des Textes für Web, E-Book oder gedrucktes Buch inklusiver nötiger Abbildungen und Titelseite (Cover). Als Letztes kommt Schritt fünf, der Werbung und Veröffentlichung für das Projekt beinhaltet.
  • (T:) Terminierung = WANN muss das Projekt fertig gestellt sein?
    Ich gebe mir intern einen realistischen Zeitrahmen vor, der mich nur fordert, jedoch nicht überfordert, um nicht den Spaß am Projekt zu verlieren. Ankündigungen über Endterminen unterlasse ich.

Mein angepasstes S.M.A.R.T.-Prinzip im Vergleich zu den anderen Konzepten

Mein angepasstes S.M.A.R.T.-Prinzip für Buchprojekte und andere Vorhaben in der Übersicht mit Walt-Disney-Methode, St. Galler Management Modell und dem goldenen Kreis nach Simon Sinek
Mein angepasstes S.M.A.R.T.-Prinzip für Buchprojekte und andere Vorhaben in der Übersicht mit Walt-Disney-Methode, St. Galler Management Modell und dem goldenen Kreis nach Simon Sinek.

Nutzen Sie angepasste S.M.A.R.T.-Prinzip für Ihre Planung

Nehmen Sie sich etwas Zeit und erstellen Sie Ihre ganz persönliche Planung als Autor nach dem angepasstem S.M.A.R.T.-Prinzip.

  • Was ist Ihnen wichtig?
  • Was ist Ihre Vision und Motivation zu schreiben und zu veröffentlichen?

(Tipp:) Falls Ihnen die Antworten auf die fünf Punkt bzw. zehn Fragen schwerfallen, dann greifen Sie auf Ihre Lieblingsautoren zurück. Beantworten Sie zuerst für einen oder mehrere Ihrer geschätzten Schriftsteller die zehn Fragen. Schließlich werden Sie dann merken, welche Antworten auch auf Sie persönlich zutreffen.

(Hinweis:) Für mich ist die Autorin Vera F. Birkenbihl ein Vorbild, weil sie im Bereich der Wissensvermittlung immer neue Wege suchte, bereits geschriebene Bücher überarbeitete und die neuen Erkenntnisse hinzufügte.

3. Das angepasste S.M.A.R.T.-Prinzip ist rekursiv anwendbar

In der Natur, der Mathematik und in der Informatik stößt man immer wieder auf Rekursionen. Damit sind Vorgänge oder Formen gemeint, die in verschiedenen Ebenen immer gleich ablaufen oder in verkleinerter Form (fast) gleich aussehen. Eine rekursive Abbildung sehen Sie dann, wenn Sie zwischen zwei Spiegeln stehen und dann eine unendliche Wiederholung des Spiegelbilds sehen. Eine Selbstähnlichkeit gibt es bei den Röschen des Blumenkohls, die verkleinerte Versionen des ganzen Kopfes sind. Diese Wiederholbarkeit des oben aufgeführte, angepasste S.M.A.R.T.-Prinzip findet sich auch auf verschiedenen Ebenen des Schreibens wieder.

  • Das angepasste S.M.A.R.T.-Prinzip kann als Leitlinie für die Tätigkeit als Autor dienen.
  • Für ein konkretes Buchprojekt, egal ob Erzählungen, Roman oder Sachbuch kann das angepasste S.M.A.R.T.-Prinzip auch für die Planung genutzt werden, wobei (S:) Sinn und Zweck, also das WARUM des Autors, widerspiegelt bzw. widerspiegeln sollte – Stichwort: Authentizität.
  • Schließlich lassen sich die Handlungen von Hauptfiguren einer Geschichte ebenfalls mit dem angepasste S.M.A.R.T.-Prinzip planen. Das Verhalten von wenigsten einer Hauptfigur folgt dem (S:) Sinn und Zweck, der Vision des Autors, wenn diese gegen ein (Gesellschafts-)Problem ankämpft, das dem Autor wichtig und seine Motivation für das Schreiben der Erzählung ist.
Mein angepasstes S.M.A.R.T.-Prinzip rekursiv für den Autor, für ein Buchprojekte und die Handlung einer Romanfigur
Mein angepasstes S.M.A.R.T.-Prinzip rekursiv für den Autor, für ein Buchprojekte und die Handlung einer Romanfigur.

(Ende.)