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Den richtigen Titel finden

Wortwolke zum Artikel Den richtigen Titel finden

Betrachtet man die lange Werkliste von Stephen King dann fällt auf, dass die Titel meist kurz sind (also gut zu merken), aber sonst kein System dahinter steckt. Mal ist es ein Name wie »Carrie«, »Cujo« oder »Dolores«. Mal ist es ein Begriff, der irgendwie mit Nacht und Horror zu tun hat wie »Nachtschicht«, »Tot«, »Albträume« oder »Schlaflos«. Und dann sind es erfundene Namen wie »Fornit« oder »Langoliers«. Jetzt mag man einwenden, dass die deutschen Titel nicht im Autor gewählt wurden, sondern vom deutschen Verlag.

Darum schauen wir uns noch die Titelliste des Krimiautors Andreas Franz an: In den Titeln von »Jung, blond, tot«, »Das achte Opfer« bis zu »Todesmelodie« erkennt man den Kriminalroman sofort. Beachtenswert von der Wortwahl sind die Titel »Tödliches Lachen« und »Schrei der Nachtigall«, weil sie einen Widerspruch oder eine Unvereinbarkeit enthalten, die uns stutzen lässt; gut so!

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Titelsuche?

Wenn Sie mit der Geschichte starten, sollten Sie einen Arbeitstitel benutzen. Dieser könnte am Ende auch der Titel sein, muss es aber nicht. Der beste Zeitpunkt nach der Suche für den Buchtitel ist, wenn die erste Fassung des Buches geschrieben ist. Sie haben die Geschichte noch im Kopf. Sie kennen Anfang und Ende. Damit die Vermarktung bald beginnen kann, sollte jetzt der Titel festgelegt werden.

TITEL als KAGA nach Vera F. Birkenbihl
TITEL als KAGA (Kreative Ausbeute von Grafik-Assoziationen) nach Vera F. Birkenbihl

Wie kann man den richtigen Titel für das eigene Werk finden?

Den richtigen Titel zu finden, ist eine Mischung aus Kreativität und Recherche im Internet. Im ersten Schritt erstellen Sie eine lange Liste möglicher Titel, die zu ihrer Erzählung passen. In den folgenden Schritten bewerten Sie die Titel auf der Liste und schauen, welche dieser Titel aktuell frei, also von keinem anderen Autor benutzt werden. Das verhindert Verwechslungen oder Probleme mit einem anderen Autor/Verlag.

So erstellen Sie eine Liste von Titeln

Um eine Liste von Titeln zu erstellen, gehen Sie wie folgt vor:

  1. Beantworten Sie zu der Geschichte die sieben journalistischen Fragen mit möglichst nur einem Wort: wer, was, wo, wann, wie, womit, warum?
  2. Erstellen Sie mit den sieben Antworten Assoziationsketten nach Ray Bradbury ((link)) wie »Mond, Nacht, Dunkel, Schwarz, Weiß, Milch, …«
  3. Versuchen Sie, aus den Wörtern einen passende Titel zu bilden. Probieren Sie lange, kurze und zusammengesetzte Titel. Seien Sie kreativ, ohne den inneren Zensor zu benutzen. Nach der Walt-Disney-Methode sind Sie jetzt in der Rolle des Träumers.

So kürzen Sie die Titelliste auf die besten Kandidaten – Schritt 1

Um eine Liste von Titeln zu kürzen und die besten zu behalten, gehen Sie wie folgt vor. Beantworten Sie für jeden Titelvorschlag die folgenden Fragen. Bekommt ein Titel kein einziges Ja, dann streichen Sie ihn von der Liste. Nach der Walt-Disney-Methode sind Sie jetzt in der Rolle des Realist.

  1. Passt der Titel zum Genre, in dem Sie schreiben?
  2. Benennt der Titel einen Namen, einen Ort oder ein Ereignis?
  3. Macht der Titel neugierig und/oder ist er geheimnisvoll? Ist der Titel eine im Deutschen ungewöhnliche oder widersprüchliche Zusammensetzung wie »Erlkönig« oder »Schrei der Nachtigall«?
  4. Ist der Titel leicht zu merken?

So kürzen Sie die Titelliste auf die besten Kandidaten – Schritt 2

Nach der Walt-Disney-Methode sind Sie jetzt in der Rolle des Kritiker, die verbliebenen Titel konstruktiv überprüft. Um eine Liste von Titeln zu kürzen und die besten zu behalten, beantworten Sie für jeden Titelvorschlag die nachfolgenden Fragen. Bekommt ein Titel kein einziges Ja, dann streichen Sie ihn von der Liste.

  1. Ist der Titel von jedermann verständlich? Fremdworte wie »Apis« (lateinisch für Biene) sollten vermieden werden.
  2. Hat der Titel in einer Suchmaschine wie google.de möglichst wenig Treffer? Prüfen Sie dabei den Titel einmal mit und einmal ohne Anführungszeichen. Dies verändert die Anzahl der Einträge stark. Notieren Sie zunächst die Anzahl der Treffen und streichen später die, mit den höchsten Zahlen.
  3. Ist der Titel noch frei und wird nicht für ein anderes Buch bereits verwendet? Eine gute Seite zur Recherche ist https://www.justbooks.de. Auch hier können die Anführungszeichen helfen, die Anzahl der Antworten zu reduzieren.
  4. Lesen Sie sich den Titel laut vor und achten Sie darauf, ob der Titel einen Rhythmus aus betonten und unbetonten Silben hat. Ein Blick in den Duden Band 1 zeigt Ihnen, welche Silben im deutschen betont werden.

Noch immer unsicher?

Wenn Sie noch immer unsicher sind, dann …

  1. Reduzieren Sie die Liste der Titelvorschläge auf maximal 10 Stück. Hören Sie dabei auf ihren »Bauch«. Welche Titel sprechen Sie emotional an?
  2. Wenn Sie nicht selbst entscheiden wollen, dann machen Sie in ihrem Bekanntenkreis eine kleine Umfrage.

Fazit

Das Finden des richtigen Titel ist keine Zauberei, sondern kann mit den obigen Leitfragen zielgerichtet zu einem schnellen Ergebnis führen. Der beste Zeitpunkt für die Titelsuche ist nach dem Schreiben der ersten Fassung, weil Sie auch dann mit der Werbung für Ihr Werk beginnen sollten.