Zum Inhalt springen

Das eine Außergewöhnliche

(Info:) Es ist das eine Außergewöhnliche, das es für eine gute Geschichte braucht. In dieser Regel stecken zwei wichtige Informationen: das eine und das Außergewöhnliche. Woher kommt die Erkenntnis für diese Regel?

Inhaltsverzeichnis

Aus einem Interview mit John D. F. Black

John D. F. Black, Associate Producer, Story Editor (Lektor) und einer der Drehbuchautor von Star Trek TOS mit William Shatner als Cpt. Kirk, erklärte in einem Interview 2004: »Teddy Sturgeon (ein weiterer Drehbuchautor von Star Trek TOS) gab mir Regeln. Nicht viele. Die wichtigste Regel für einen SF-Autor war, nie zu erwarten, dass die Leute mehr als eine außergewöhnliche Sache glauben. Gewisse Dinge haben natürlich mit der außergewöhnlichen Sache zu tun, aber das gehört alles noch zu dieser Sache. Nicht dem Publikum etwas einreden und sagen: ›Und da ist jetzt noch das. Glaube an dies und glaube an das.‹ Das kann man nicht machen! Es muss alles verwandt sein. Und wenn ich auf Star Trek zurückblicke, dann machten wir das. Wenn wir ein Problem einem Drehbuch hatten, dann war es immer, dass jemand den Fehler machte und sagte: ›Das auch noch glauben.‹ – Das funktioniert nicht.«

John D. F. Black schrieb unter anderem für Star Trek TOS das Drehbuch zu Implosion in der Spirale (Naked Time), Episode 1.4. Vom Konzept her stellt er die Frage: »Was würde passieren, wenn alle auf dem Raumschiff (wie) betrunken wären?«. In der Episode bringt ein Außenteam unwissentlich einen Erreger an Bord der Enterprise. Aus der Besatzung, die sich normalerweise voll im Griff hatten, brach das, was im Innern an ihnen zerrte und vor sich hin brodelte, heraus. Der Steuermann (Sulu) jagt mit einem Degen andere Besatzungsmitglieder. Die Krankenschwester (Chapel) gesteht dem Vulkanier Spock ihre Liebe. Die Dimensionen der Charaktere wurden in dieser Episode erweitert. Und all das, während das Raumschiff durch den Zusammenbruch eines Planeten bedroht wurde. – Das eine Außergewöhliche war hier das völlig unerwartete Verhalten (durch den Erreger) während einer Krise.

(Beispiel:) »Der weiße Hai« und »Alien«

Im Jahr 1974 schrieb Peter Benchley den Roman der »Der weiße Hai«. Steven Spielberg hat es 1975 verfilmt. Das eine Außergewöhliche taucht hier sogar schon im Titel auf: Der weiße Hai, der zur Bedrohung wird. Der Kernsatz (Logline) zu Roman und Film lautet: »Am Strand der beliebten Ferieninsel Amity Island muss im Sommer zur Hauptsaison ein Polizist mit Wasserphobie, als ein einen Schwimmer im Meer attackiert wird, einen gefräßigen weißen Hai töten, um seine Familie und den Badeort zu beschützen.«
Ganz ähnlich funktioniert der Film »Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt« von 1979. Hier ist die Insel nun ein Raumschiff und ein todbringendes Alien gerät an Bord. Wie im »Der weiße Hai« dreht sich der Konflikt zwischen Hauptfigur und Nebenfiguren um die richtige Vorgehensweise. Auf der Insel will der Bürgermeister nicht durch Strandschließungen die Sommergäste vergraulen. Im Raumschiff obsiegt zuerst die Neugier. Beide Horror-Geschichten kann man auch als Monster im Haus klassifizieren.

Das Außergewöhnliche

Das Außergewöhnliche kann im Prinzip alles in der Geschichte sein, die Hauptfigur (wie Superman), die Gegenfigur (wie der weiße Hai oder das Alien), der Auslöser (Handy macht alle wahnsinnig, (siehe:) Stephen King »Puls«) und so weiter.
Um das Außergewöhnliche festzulegen hilft es groß zu denken oder aus der ‚Kiste‘ heraus zudenken. Negation kann als Trick helfen, um das grundsätzlich Gegensätzliche festzulegen. Besonders beliebt ist dabei der Fisch aus dem Wasser-Prinzip, der die Hauptfigur in eine ihm unbekannte Welt kommt und erst die dort gelten Regeln lernen muss, um seine Probleme zu lösen. Das Außergewöhnliche kann auch Wunsch oder Fluch sein, der durch echte oder scheinbare Magie für die Hauptfigur Realität wird.
Kurz, das Außergewöhnliche macht eine Geschichte interessant und lesenswert.

Das Eine

Wie Teddy Sturgeon oben schon sagte, man soll als Basis für eine Geschichte nur das eine Außergewöhnliche verwenden, denn sonst glauben die Zuschauer bzw. Leser das Ganze nicht. Wenn man die Geschichten der Bestseller durch geht, so fällt auf, dass dieser immer das eine Außergewöhnliche haben. Das beginnt bei den Sagen und Märchen und lässt sich auch in langen Romanen, wie »Der Herr der Ringe« feststellen. Bei J. R. R. Tolkien ist es der Ring der Macht, die alle knechtet, der das eine Außergewöhnliche. Alles andere in der Geschichte hat direkt oder indirekt mit dem Ring zu tun.

Mehr als nur das Eine

Es gibt eine Geschichte von Stephen King, in der er die Regel, dass sich alles an dem einen Außergewöhnlichen unterzuordnen hat, mehrfach verletzt. In der Erzählung »Die Leiche« (verfilmt als Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers) zitiert die Hauptfigur aus Romanfragmenten, die sie geschrieben hat. Sowohl die Fragmente von »Hurenstadt« noch die über die Kämpfe in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs haben mit der Handlung, die Leiche eines verunglückten Jungen zu finden, nichts zu tun. Im Gegenteil, sie unterbrechen die Handlung und am Ende fragt man sich als Leser, warum diese Fragmente die Geschichte stören. (Hinweis:) Die Erzählung »Die Leiche« stammt aus der Kurzgeschichtensammlung »Frühling, Sommer, Herbst und Tod«. Ich finde, so sollte man es nicht machen.

Fazit

Das eine Außergewöhnliche ist eine gute Regel, um schon bei der Planung einer Geschichte, darauf zu achten, diese nicht zu überfrachten mit Ideen. Alles in der Geschichte muss direkt oder indirekt sich um das eine Außergewöhnliche drehen. Das trifft sogar auf Fachtexte wie diesen zu. Gerne hätte ich noch über die Prinzipien wie »Monster im Haus« oder »Fisch aus dem Wasser« geschrieben, jedoch wie Michael Ende zum Schluß der Unendlichen Geschichte schrieb: »Das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.«

(Tipp:) Im folgenden Artikel »Außergewöhnliche Wesen« erfahren Sie wo Sie solche finden und was Sie beim Erstellen eigener außergewöhnlicher Wesen beachten sollten.

(Ende.)