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Wie Bestsellerautoren Ideen finden

Wortwolke Assoziationskette, Filter, Ideen, Ideenfindung, Ray Bradbury, Stephen King, Walt-Disney-Methode

Bestsellerautoren werden mitunter gefragt: »Woher nehmen Sie ihre Ideen?« Dann die Antwort ist mehr oder weniger erhellend. Bestsellerautoren finden Ideen in dem sie erfolgreiche Methoden wie Assoziationskette nach Ray Bradbury, Walt-Disney-Methode oder Filter nach Stephen King benutzen. Da jeder Autor anders tickt, funktioniert nicht jede Methode gleich gut. Darum müssen Sie ausprobieren, welche zu Ihnen passt.

  

Die Angst vor der Leere

Nicht wenige Autoren haben Angst vor der Leere auf dem Papier oder Bildschirm. »Was soll ich schreiben?«, ist die Frage, die wie ein Echo durch den Kopf hallt. Daher wird dieser Zustand Schreibblockade genannt. Doch in Wirklichkeit liegt es an der fehlenden Vorbereitung vor dem Schreiben.

Die richtige Vorbereitung macht viel aus. Profisportler gehen einen Wettkampf in Gedanken vor dem Start immer und immer wieder durch. Im Kopf werden alle Bewegungsabläufe visualisiert. Wenn Sie als Autor die Geschichte bereits vor sich »sehen«, dann können Sie diese leicht niederschrieben.

Manche Autoren sehen, die Erzählung vor dem geistigen Auge ablaufen (siehe Autorentypen), andere brauchen reale Bilder oder Notizen als Hilfsmittel. Deshalb sind beide Herangehensweisen in Ordnung. Wie Bestsellerautoren ihre Ideen finden, haben sie in Interviews oder Büchern verraten. Hier eine kleine Auswahl:

Ray Bradbury

Ray Bradbury (1920 – 2012), US-amerikanischer Schriftsteller im Bereich Science-Fiction, Horror und Phantasik, wurde mit dem Roman »Die Mars-Chroniken« 1950 bekannt. Drei Jahre später erschien sein bekanntester Roman »Fahrenheit 451«. 1973 schrieb er in seinem Buch »Zen in der Kunst des Schreibens«, dass er seine Ideen mit Hilfe von Assoziationsketten findet.

Bestsellerautoren finden Ideen mit einer Assoziationskette

Von einem Substantiv wie »der See« schrieb Ray das nächste Wort auf, das ihm dazu spontan einfiel wie »die Nacht« und dazu wieder ein Wort wie »die Grillen« und so weiter. Schließlich hatte er die folgende Wortfolge: der See, die Nacht, die Grillen, die Schlucht, der Dachboden, der Keller, die Falltür, das Baby, die Menschenmenge, die Nachtzug, das Nebelhorn, die Sichel, der Jahrmarkt, der Gnom, das Spiegelkabinett, das Skelett.« [Ray Bradbury, „Zen in der Kunst des Schreibens“, S. 31]

Anleitung für eine Assoziationskette nach Ray Bradbury

Voraussetzung: Nehmen Sie ein leeres, liniertes Blattpapier (DIN A4) und einen Kurzzeitwecker. Je kürzer die Zeit, desto konzentrierter werden Sie die Begriffe schreiben. Ungeachtet Ihres inneren Zensor schreiben Sie sofort das auf, was ihnen gerade einfällt. So gehen Sie vor:

  1. Geben Sie sich eine Zeit vor (z. B. 5 min).
  2. Dann schreiben Sie per Hand in die erste Zeile das erste Wort (z. B. »die Liebe«).
  3. Danach schreiben Sie jeweils in die Zeile darunter das Wort, das Ihnen spontan zum letztgeschriebenen Wort einfällt.
  4. Wiederholen Sie Schritt 4, bis Sie das Ende der Seite erreicht haben.

Beispiel

Der Wald – das Vogelgezwitscher – der Eichelhäher – das Eichhörnchen – die Tannenzapfen – die Fichtennadeln – die Blätter – der Wind – die Sonne – der Schatten – der Weg – die Lichtung – der Hochsitz – der Förster – das Reh – der Schuss – der Jagdhund – der Pfiff – das Unterholz – die Flucht – der Bach.

Was tun mit der Assoziationskette?

Die so erstellte Assoziationskette kann Ihnen nun als Grundlage der weiteren Planung oder des Schreibens einer Geschichte dienen. Dabei müssen nicht alle Begriffe verwenden und können, auch Weitere hinzuschreiben. Das ist ein Weg wie Bestsellerautoren Ideen finden.
Wenn es darum geht, aus dieser Liste eine geeignete Auswahl zu treffen, dann können Sie die Methode der »Denkstühle« verwenden.

Walt Disney

Walt Disney (1920 – 1966), US-amerikanischer Trickfilmzeichner und Filmproduzent, der prägende für die Filmbranche war. Er war bekannt für seine Ideen und versuchte, bis dato Undenkbares in die Tat umzusetzen wie den ersten abendfüllenden, farbigen Zeichentrickfilm »Schneewittchen und die sieben Zwerge« (1937).

Bestsellerautoren finden Ideen mit der »Walt-Disney-Methode«

Nach ihm ist eine Kreativitätsmethode benannt, die unter dem Namen »Walt-Disney-Methode« oder »Denkstühle« bekannt geworden ist. Sie kann alleine oder in einer Gruppe angewendet werden. Das Verfahren ist von den »sechs Denkhüte« von Edward de Bono abgeleitet.

Anleitung für die »Walt-Disney-Methode« für eine Person

Voraussetzung: Falls möglich suchen Sie sich drei Plätze in der Wohnung oder im Freien, an denen Sie in Ruhe denken und per Hand schreiben können. Falls dies nicht möglich ist, dann halten Sie drei unterschiedlich farbige Schreibstifte bereit. Geben Sie sich für die drei Ort oder Stifte ausreichend Zeit, bis Ihnen nichts mehr dazu einfällt. Übrigens können Sie zwischen den drei Schritten ruhig Pausen machen. Das ist weiterer Weg wie Bestsellerautoren Ideen finden.

Bestsellerautoren Ideen finden mit der Walt-Disney-Methode
Walt-Disney-Methode: 1. Träumer, 2. Realist, 3. Kritiker

So gehen Sie vor:

  1. Am ersten Platz oder mit der ersten Farbe (z. B. grün) schreiben Sie als Träumer alles auf, was Ihnen zu einem Problem oder Thema alles einfällt. Dort ist jeder Gedanke erlaubt. Denn Sie schalten Ihren inneren Zensor ab.
  2. Dann am zweiten Platz oder mit der zweiten Farbe (z. B. blau) schreiben Sie als Realist alles auf, was Ihnen zu den Ideen des Träumers alles einfällt. Was ist realistisch? Was bräuchte es, um es umzusetzen? Wie könnten die nötigen Arbeitsschritte aussehen?
  3. Schließlich am dritten Platz oder mit der dritten Farbe (z. B. rot) schreiben Sie als Kritiker alles auf, was Ihnen auffällt. Die Kritik soll konstruktiv sein, also fragen Sie sich, wie kann man das besser, einfacher und/oder schneller machen?

Im ersten Schritt fragt der Träumer nur nach dem »wer tut was?«.
Dann im zweiten Schritt konkretisiert der Realist die Handlungen durch ergänzende Figuren. Dafür stellen Sie die Fragen nach »wen?« oder »mit wem?«.
Schließlich im dritten Schritt ergänzt der Kritiker die Handlungen mit Begründungen. Dazu stellen Sie die Frage nach dem »warum?«.

Beispiel

Beispiel für die drei Schritte

  • Träumer: Eine Gute-Nacht-Geschichte: 1. Junges Eichhörnchen will wissen, wo die Sonne schläft. 2. Es fragt herum. 3. Es versucht, der Sonne durch den Wald zu folgen. 4. Es ist dunkel. 5. Es ist müde. 6. Es hat Angst. 7. Es findet den Weg nicht zurück. 8. Es sieht ein Licht. 9. Es trifft auf ein Tier. 10. Es entdeckt ein Haus am Waldrand. 11. Es trifft auf ein zweites Tier. 12. Es schläft alleine in einer Baumhöhe. 13. Es wacht bei Sonnenaufgang auf.
  • Realist: 2. Darum fragt es die Vögel. 5. Weil es nicht seine Tageszeit ist. Wer hatte ihn davor gewarnt? 6. Angst, weil eine Eule versucht, es zu fangen. 7. Daher verliert es In Panik den Weg. 8. Es läuft auf das Licht zu. 9. Ein Igel erzählt von den Menschen. 11. Im Garten trifft es auf den Waschbären, der von einer Baumhöhle erzählt. 13. Schließlich macht es sich durch den hellen Wald auf den Heimweg.
  • Konstruktiver Kritiker: 1. Weil es sehr neugierig ist. 2. Die befragten Vögel (Amsel, Specht und Eichelhäher) sind wie er tagaktiv und wissen es nicht. 3. Weil es ist langsamer als die Sonne und wird es schnell dunkel. 4. Die Sonne ist untergegangen. 5. Die Mutter hatte ihn davor gewarnt, bei Dunkelheit unterwegs zu sein. 7. Nach der Panik findet es den Weg nicht zurück. 8. Es weiß nicht, was das Licht in der Ferne ist. Die Sonne? Darum läuft es auf das Licht zu. 9. Sichtweise des Igels. 10. Am Haus schaut es durch ein Fenster und sieht eine Kugellampe mit hellen im Zimmer „schweben“. 10. Haben die Menschen die Sonne gefangen? Währenddessen es wird von etwas Unsichtbarem (Fensterglas) aufgehalten. 11. Waschbär erzählt aus seiner Sicht über die Menschen. 12. Schließlich läuft es zur Baumhöhle.

Zusammenfassung der drei Schritte

Alle drei Blickwinkel nach der »Walt-Disney-Methode« in einen Ablauf zusammengefasst:

  1. Ein junges Eichhörnchen will wissen, wo die Sonne schläft, weil es sehr neugierig ist.
  2. Daher fragt es bei den Vögeln, die auch tagaktiv sind, wie Amsel, Specht und Eichelhäher herum, und die wissen es nicht.
  3. Es versucht, der Sonne durch den Wald zu folgen. Weil es langsamer als die Sonne ist, wird es schnell dunkel.
  4. Es ist dunkel, da die Sonne untergegangen ist.
  5. Es ist müde, weil es nicht seine Tageszeit ist. Die Mutter hatte ihn davor gewarnt, bei Dunkelheit unterwegs zu sein.
  6. Es hat Angst, weil eine Eule versucht es zu fangen.
  7. In Panik verliert es den Weg, daher findet es den Weg nicht zurück.
  8. Ein Licht in der Ferne. Es weiß nicht, was es ist. Die Sonne? Darum läuft es auf das Licht zu.
  9. Es trifft auf Igel. Der Igel erzählt aus seiner Sichtweise von den Menschen.
  10. Es entdeckt ein Haus am Waldrand. Am Haus schaut es durch ein Fenster und sieht eine Kugellampe mit hellen im Zimmer „schweben“. Haben die Menschen die Sonne gefangen? Währenddessen wird es von etwas Unsichtbarem (Fensterglas) aufgehalten.
  11. Im Garten trifft es auf den Waschbären. Deshalb erfährt es mehr über die Menschen und einer Baumhöhle.
  12. Es läuft zur Baumhöhle und schläft dort alleine.
  13. Es wacht bei Sonnenaufgang auf und macht sich durch den hellen Wald auf den Heimweg.

Stephen King

Stephen King (geboren 1947), US-amerikanischer Schriftsteller vor allem im Bereich Horror. 1973 erschien sein erster Roman »Carrie« 1973 und wurde veröffentlicht. Ab seinem dritten Roman »The Shining« (1977) gab er seinen Beruf als Lehrer auf und lebt seit her vom Schreiben.

Bestsellerautoren finden Ideen mit Filtern

Im Vorwort zu der Kurzgeschichtensammlung »Nachtschicht« schreibt Stephen King über die Angst – lesenswert. Auf die Frage eines fiktiven Lesers, warum King sich entschieden hat, über so grauenvolle Dinge zu schreiben, antwortet er mit der Gegenfrage: »Warum nehmen Sie an, ich hätte mir das frei aussuchen können?« Dann erklärt er, dass jeder Mensch einen Filter im Kopf habe, mit der er seine Umgebung wahrnehme, und sein Filter sammle das Makabere.

Er bringt ein kleines Beispiel: Wenn er und ein Westernautor sich den gleichen Teich ansehen würde, dann würde der Westernautor eine Geschichte über einen Krieg um die Wasserrechte schreiben, und Stephen King über etwas Lauerndes, was im Mondlicht erst Schafe, dann Pferde und schließlich Menschen wegschleppen würde.

Der Filter oder ein anderer Blickwinkel

Der Mensch hat eine besondere Fähigkeit, denn wir können eine Situation aus dem Blickwinkel eines anderen betrachten und in rein durch Gedankenkraft in dessen emotionale Stimmung versetzen.

Stellen Sie sich eine Straße in einer Großstadt vor. Während rechts und links stehen hohe Häuser, sehen Sie am Ende der Straße einen Park mit Gras, Büschen, Bäumen und einem Springbrunnen. Nun wenden Sie den Filter an und »sehen« diese Szene nach einander unter folgenden Blickwinkeln an: Seien Sie …

  • erst ein Teenager, der frisch verliebt ist;
  • dann eine Witwe und deren Mann gestern verstorben ist und
  • schließlich ein junger Hund, der dringend Gassi gehen muss.

    Wie nehmen Sie die Szene wahr? Welche Gefühle und Gedanken steigen in ihnen auf?
    Diese Filter oder den Wechsel des Blickwinkels können nutzen Sie um eine Geschichte vorzubereiten oder sich in eine Figur, die in der Geschichte vorkommt, hineinzuversetzen.

Anleitung für den Filter oder einen anderen Blickwinkel

Voraussetzung: Suchen Sie in Zeitungen oder im Web (mit Google Bildersuche) nach einem Bild, das Sie als Grundlage für eine Szene oder Geschichte anspricht. Dann denken Sie sich zwei oder drei sehr unterschiedliche Figuren aus (z. B. eine glückliche Hausfrau, einen gestressten Manager oder einen verzweifelten Wissenschaftler).

So gehen Sie vor:

  1. Schreiben Sie für die erste Figur auf, welche Gefühle die Figur beim Anblick des gewählten Bildes hat.
  2. Dann schreiben Sie für die erste Figur auf, welche Ziele oder Handlungen diese Figur jetzt am liebsten machen würde.
  3. Schließlich wiederholen Sie Schritt 1 und 2 jeweils für die zweite und dritte Figur.

Schreibideen

Bestsellerautoren finden Ideen in dem sie alles Aufschreiben und Sammeln, was vielleicht der Samen zu einer Geschichte sein könnte. Im Internet und besonders im englischsprachigen Web und Büchern findet man Schreibideen (engl. writings prompts), die eine Sammlung von Initialideen für Geschichten enthalten. Jedoch im Deutschen gibt es bisher kaum solche Bücher. Viele der englischen Bücher enthalten nur Startideen, also den Anfang, für eigene Geschichte. Als E-Books sind sie nicht allzu teuer. Allerdings um den Inhalt zu beurteilen, benutzen sie unbedingt die Funktion »Blick ins Buch«.

Eine Geschichte besteht aus drei Teilen: Anfang, Handlung (Veränderung) und Ende. Hätte man eine Sammlung von 10 Ideen zu jedem dieser drei Teile, so könnte man 10 x 10 x 10 = 1.000 verschiedene Geschichten schreiben. Daher kann sich das Sammeln von Schreibideen durchaus lohnen.

Fazit

Bestsellerautoren finden Ideen mit verschiedene Methoden. – Weitere Ideen werden auf dieser Website vorgestellt. – Wenn Sie unsicher sind, welche zu Ihnen passt, dann probieren Sie jede mal aus. Sie werden spüren, mit welcher Methode Sie am besten zurechtkommen. Manchmal ist die richtige Methode auch abhängig von Ihrer Tagesform oder dem Projekt, an dem Sie gerade arbeiten. Geben Sie den anderen Methoden immer dann eine Chance, wenn Sie das Gefühl haben, die »richtige« Methode passt gerade nicht. Bleiben Sie flexibel.