Storytelling 2021 – Teil 1

(Info:) In dem Beitrag »Storytelling 2021 – Teil 1« geht es um die Grundlagen des Storytelling. Anfangs lernen Sie die fünf Bausteine für gutes Storytelling kennen, dann die fünf Leitfragen und schließlich die Hauptzutat die zentrale Emotion kennen. Außerdem gibt als Qualitätskontrolle noch die Formel der Glaubwürdigkeit.

Mindmap zu Storytelling 2021 - Teil 1 - Was ist Storytelling, was sind die Elemente?
Mindmap zu Storytelling 2021 – Teil 1 – Was ist Storytelling und was sind die Elemente?

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist Storytelling?

Storytelling, auf Deutsch »Geschichten erzählen« ist eine ganz alte Methode, um anderen Menschen Wissen zu vermitteln. In der Bibel sind es die Gleichnisse, aus alter Zeit kennen wir die Sage, Legenden, Fabeln und Märchen, die durch eine spannende Erzählung eine Botschaft transportieren. Das Storytelling ist mit Drama verwandt. Hier finden Sie eine kurze Einführung in das Storytelling mit Leitfragen.

Die Werbung hat diese alte Tradition wiederentdeckt und die digitalen Medien sind voll davon. Jedoch auch als Fachbuchautor kann man damit seine Texte auflockern und das Interesse der Leser wecken.

2. Fünf Bausteine für ein gutes Storytelling

  1. Es braucht einen guten Grund, um eine Geschichte zu erzählen. Der Grund kann ein Produkt, eine Marke, ein Vorgang, ein Verfahren, eine Lösung, ein Unternehmen oder eine Vision sein, die andere begeistern soll.
  2. Dann braucht jedes Storytelling eine Hauptfigur (Helden) mit der exemplarisch die Geschichte erzählt wird.
  3. Außerdem braucht jedes Storytelling ein Problem, Konflikt und/oder Herausforderung; nur das bringt Spannung.
  4. Schließlich muss jedes Storytelling den Leser oder Zuhörer emotional berühren.
  5. Ein gutes Storytelling wird vom Publikum an Dritte weitererzählt. Es geht viral.

Aus den fünf Bausteinen für ein gutes Storytelling ergeben sich fünf Leitfragen. Dabei ist das Rationale genauso wichtig wie Gefühle; denn das Bewusstsein beschäftigt sich mit den Fakten und das Unterbewusstsein nimmt die Emotionen und Bilder der Geschichte wahr.

3. Fünf Leitfragen für ein gutes Storytelling

  1. Warum (Grund) wird die Geschichte erzählt? (Botschaft, Moral, Ziel)
  2. Wer ist die Hauptfigur? (Ein Mensch wie du und ich, jemand mit Alltagssorgen und -Problemen, in den man sich schnell hineindenken und der unsere Sympathie verdient)
  3. Was ist das Problem, der Konflikt oder die Herausforderung? (Ein glaubwürdiges Ereignis, das viele schon erlebt haben oder vor dem sie sich fürchten; was sie emotional berührt.)
  4. Wie können Emotionen beim Leser oder Zuhörer geweckt werden? (Die Reaktion und die Ängste der Hauptfigur schildern, damit die Geschichte authentisch klingt)
  5. Wieso wird das Publikum die Geschichte lieben und weitertragen? (Die Geschichte muss einfach und unterhaltend sein, leicht zu merken und für jedes Publikum geeignet. Am Ende muss es ein Happy End geben.)

Beispiel aus »Hänsel und Gretel«

Quelle: »Hänsel und Gretel« im Projekt Gutenberg.
In Märchen lassen sich oft verschiedene Prämissen (Moral, Botschaft) entdecken.
Hier ein Beispiel, das auf den obigen fünf Leitfragen basiert.

  1. Grund: »Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott«. Die Kinder gehen kreativ mit ihren Problemen um: Kieselsteine, Brotkrumen, Knochen statt Finger zeigen, dumm stellen. Am Ende werden sie belohnt.
  2. Hauptfigur(-en): die Geschwister Hänsel und Gretel.
  3. Problem/Herausforderung: Die Kinder werden im Wald ausgesetzt und suchen den Weg nach Hause.
  4. Ängste: Die Bedrohung der Kinder steigert sich von »alleine im Wald« bis zur »Gefangenschaft bei der Hexe, die sie fressen will«.
  5. Das einfache Märchen berührt und wandelt das Unglück am Ende in Glück.

4. Zentrale Emotionen des Storytelling

  1. Gefühl = Unglück. Wir glauben eher einem Unglück. Das Glück wird eher angezweifelt, weil wir die Welt als schlechten Ort wahrnehmen.
  2. Hoffnung = Überwinden des Unglücks. Die Erwartung auf ein gutes Ende muss enthalten sein und als Happy-Ende erfüllt werden.

Beispiel aus »Hänsel und Gretel«

  1. Das Unglück (Not) der Eltern wird zum Unglück der Geschwister, die im Wald ausgesetzt werden.
  2. Hänsel verkörpert zu Beginn die Hoffnung und findet den Weg durch Kieselsteine zurück nach Hause. Hoffnung macht zunächst auch die alte Frau (Hexe), die ihnen süße Speisen anbietet. Durch die List von Gretel überwinden die Kinder die Hexe (Unglück).

5. Formel für die Glaubwürdigkeit im Storytelling

Die »Formel« für die Glaubwürdigkeit lautet:

  1. Zu Beginn gibt es oder es entsteht ein Unglück, weil es etwas oder jemanden nicht gibt.
  2. Die Beseitigung des Mangels wird zum Herzenswunsch der Hauptfigur.
  3. Es kommt zu einer Veränderung (Entwicklung).
  4. Auf dem Höhepunkt der Geschichte ist die Hauptfigur an ihrem Tiefpunkt.
  5. Die Hauptfigur findet eine Lösung und das Unglück wird am Ende durch Glück ersetzt.

Unglück am Anfang und Glück am Ende wird vom Unterbewusstsein als glaubwürdig interpretiert.

Beispiel aus »Hänsel und Gretel«

  1. Es beginnt direkt mit dem Unglück, weil Vater, Mutter, Hänsel und Gretel zu wenig zu Essen haben.
  2. Durch das Aussetzen haben die Geschwister den Herzenswunsch zurück nach Hause zu kommen.
  3. Auf ihrer Suche kommen die Kinder zum Hexenhaus.
  4. Auf dem Höhepunkt erfahren sie, dass die Hexe sie fressen will.
  5. Durch das Überlisten der Hexe und den Schatz im Hexenhaus verändert sich das Unglück in Glück.

6. Fünf mögliche Anfänge

  1. Es beginnt direkt mit dem Unglück.
  2. Am Anfang gibt es eine normale Situation, die sich bald in ein Unglück verwandelt.
  3. Es beginnt mit einer glücklichen Situation, die sich schnell umschlägt.
  4. Mit einem Knall startet die Erzählung, der Neugier weckt und die Erwartung nach einer Lösung weckt.
  5. Beginnt es ohne Knall, dann muss sich der Leser in den Figuren wiederfinden.

Beispiele aus den Haus- und Volksmärchen der Brüder Grimm

Zu den fünf möglichen Anfängen, sehen Sie die entsprechenden Beispiele der Brüder Grimm, deren Texte Sie kostenlos im Projekt Gutenberg finden.

  1. In »Hänsel und Gretel« ist die Not gleich zu Beginn der Hunger.
  2. Die Königstochter spielt glücklich – in »Der Froschkönig« – mit ihrem goldenen Ball am Brunnen. Da passiert das Unglück und der Ball in den Brunnen fällt.
  3. Eine arme Frau ist – in »Rapunzel«– in freudigen Umständen und bekommt so großen Hunger auf Rapunzel, dass ihr Mann diesen von einer Zauberin stiehlt. Er wird erwischt und daher forderte sie das Neugeborne.
  4. In »Rumpelstilzchen« behauptet ein Vater, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen (Lüge), und der König sperrt sie ein und bedroht sie mit dem Tod, wenn sie es nicht kann.
  5. Als ein armes Mädchen – in »Der süße Brei« – durch in den Wald geht, passiert es, dass es einen besonderen Topf geschenkt bekommt.

7. Eine sympathische Hauptfigur

• Die Hauptfigur muss Angst, Selbstvertrauen und Entschlossenheit haben. Sie muss (ab einem Punkt) aktiv sein, ein Macher.
• Die Hauptfigur muss durch ihr Verhalten beim Leser Emotionen wecken. Dies entsteht, wenn die Hauptfigur wie normale Menschen auf eine Situation reagiert.
• Kann sich der Leser mit der Hauptfigur identifizieren, so entsteht Betroffenheit (Empathie). Automatisch will der Leser mehr über die Hauptfigur erfahren und beginnt mit zu fiebern.

Beispiel aus »Hänsel und Gretel«

• Die Hauptfigur Hänsel ist in der ersten Hälfte des Märchens der Aktive. Er sammelt Kieselstein und streut sie heimlich auf den Weg. Im Haus der Hexe wird Gretel aktiv und stößt die Hexe schließlich in den Ofen.
• Hänsel weckt beim Leser Emotionen, weil er schlau ist und aktiv nach einer Lösung sucht. Als die Tür verschlossen ist und Hänsel beim zweiten Mal keine Steine in der Nacht sammeln kann, leidet der Leser mit ihm.
• Hänsel und Gretel, die nichts für ihre Situation können, wecken Betroffenheit dem Leser, der erfahren will, wie es nach dem Aussetzen im Wald mit ihnen weitergeht.

Fazit: Storytelling und Kurzgeschichten

Das Storytelling kann auch als Form der Kurzgeschichte verstanden werden, in der es um ein Problem oder Konflikt geht und die wie ein Drama einen Höhepunkt hat. Dem steht die beschreibende Kurzgeschichte gegenüber. Die meisten Sagen, Legenden, Fabeln und Märchen können als Storytelling aufgefasst werden. Leitfragen helfen schnell und einfach ein Storytelling zu schreiben.

Lesen Sie auch den folgenden Beitrag »Storytelling 2021 – Teil 2 – ein Beispiel aus der Praxis«.