Horror schreiben im Herbst 2021

(Info:) Horror ist eines der großen Genres in der Literatur. Monster und Schreckgeschichten finden sich bereits in den frühen Sagen und Legenden in allen Kulturen. Seit der (schwarzen) Romantik ab 1795 wurden und werden immer mehr Gruselgeschichten geschrieben. Doch woher kommt der Wunsch nach dem Gruseln? Was macht eine gute Horrorerzählung aus? Und welche Tabus sollte der Autor nicht überschreiten? Kurzum davon handelt diese Rubrik/Artikelserie »Horror schreiben im Herbst 2021« in der Autorentrickkiste.de.

Elemente rund um das Schreiben von Horror-Geschichten
Elemente rund um das Schreiben von Horror-Geschichten.
Die Symbole stammen aus dem eigenen Zeichensatz »TimeSaver Two«.

Inhaltsverzeichnis

Die Anfänge des Horrors

(Horror:) Die Anfänge des Horrors liegen – wo sonst? – im Dunkeln.

  • Im Gilgamesch-Epos, das bereits in der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. im babylonischen Raum geschrieben wurde, enthält viele Element des Gruselns und des Schreckens wie beispielsweise Monster, die Unterwelt und den Tod eines geliebten Freundes.
  • In den Sagen des klassischen Altertums (der Griechen) finden Sie viele Schrecken und Monster: Zeus entmannt zuerst seinen Vater Kronos; die Gorgone Medusa (ein Mischwesen mit Schlangenhaaren, langen Schweinshauern, Schuppenpanzer, bronzenen Armen, glühenden Augen und heraushängender Zunge) lässt jeden, der sie anblickt, zu Stein erstarren; die Sphinx (eine Frau mit Flügeln und Löwenkörper) hingegen gilt als Dämon der Zerstörung und des Unheils; ferner kämpft der Held Bellerophon gegen das Untier Chimära.
  • Monster finden sich auch im Alten Testament (Bibel) wie den Behemoth (Hiob 40,19) und wie auch die klassische Auseinandersetzung zwischen den Engeln und Satan im Buch Hiob.
  • Die nordische Mythologie ist ebenfalls voller Monster wie den Fenriswolf, der am Ende das Ragnaröks (Untergang der Welt) versucht, die Sonne zu verschlingen.
  • Im Mittelalter finden sich viele der mythologischen Figuren in Form von Hexen, Riesen und Drachen wieder gegen die tapfere Ritter und Helden kämpfen.

Viele dieser Mythen kommen heute in ähnlicher Weise oder neuem Gewand daher. Doch es ist eine Entwicklung in den Geschichten ab 1795 zu erkennen.

Sagen, Märchen und die schwarze Romantik

(H1:) Johann Gottfried Herder (1744 – 1803) beeinflusste ganze Generationen von Autoren, die sich mit Sagen und Märchen zu beschäftigen. Während die Brüder Grimm, Ludwig Bechstein, Johann Karl August Musäus und andere die Volks- und Hausmärchen sammelten und veröffentlichten. Begannen andere Autoren stattdessen in dieser Zeit ihre eignen Erzählungen zu schreiben. Dabei standen Motive wie Sehnsucht, Liebe und das Unheimliche bei Autoren wie Heinrich von Ofterdingen, Novalis, Ludwig Tieck oder E. T. A. Hoffmann im Mittelpunkt. Sie verherrlichten das Mittelalter und die entdeckten die Natur (neu). Das Dunkle fand sich auch in Werken der Musik und Malerei wieder und gab dem Zweig, der sich damit beschäftige, den Namen »schwarze Romantik«.

Die erste Stufe des Horrors (H1) betrifft den Geist. Alles in dieser Stufe und den Geschichten in der schwarzen Romantik dreht sich folgerichtig um Vorstellungskraft, eingebildete Angst/Furcht, Albträume bis hin zum Wahnsinn.

Schauerromane

(H2:) Die nächste Stufe auf dem Weg zum modernen Horror war der Schauerroman, der mit den Romanen »Frankenstein« von Mary Shelley und »Der Vampyr« von John Polidori 1818 begann. Der englische Lord Byron inspirierte übrigens Autoren wie den Amerikaner Edgar Allan Poe. Der Roman »Dracula« (1897) von Bram Stoker gilt als Vater der Vampir-Literatur, ist jedoch nicht der erste Roman mit einer solchen Figur. Der erste Vampir war eine Frau, namens Carmilla, und Hauptfigur des gleichnamigen Schauerromans (18792) von Sheridan Le Fanu. Alle Schauerromane zeichnet also das Körperliche aus (H2): Es geht um reale Gefahr in der realen Welt, um Bedrohungen bis zum Tod. Die Blütezeit der Schauerromane (im Englischen »Gothic Novell«) endete um 1825.

Horrorromane ab 1837 bis heute

(H3:) In der viktorianischen Epoche (ab 1837) gingen die Autoren den nächsten und letzten Schritt (H3). Das Grauen wurde unvorstellbar. Panik, Ekel und Kontrollverlust der handelnden Person zeichnen diese Romane bis heute aus. Eine weitere Steigerung ist kaum denkbar, solange die Erzählungen nicht Kunst bleiben und nicht strafrelevante Inhalte verbreiten.
Natürlich spielte auch die Entwicklung der Technik eine Rolle und ging in die Geschichten ein. Herausragend in den Anfängen der Horror-Romane ist der Amerikaner H. P. Lovecraft mit Werken wie »Berge des Wahnsinns«, »Die Farbe aus dem All« und dem »Cthulhu«-Mythos.
(Ob die früheren Autoren, wie heute gerne geschrieben wird, rassistisch in ihren Texten war, muss jeder moderne Leser für sich entscheiden. Eins waren die Romanschreiber und Geschichtenerzähler damals wie heute: Kinder ihrer Zeit.)
Der Reigen der Horror-Autoren beschließen die ausgezeichneten (Bram Stoker Award) Autoren wie Clive Barker, Robert Bloch, Ray Bradbury, Neil Gaiman, Stephen King, Richard Laymon, Dean Koontz, Richard Matheson, J. K. Rowling und Dan Simmons.

Horror-Merkblatt rund um das Schreiben von Horror-Geschichten
Horror-Merkblatt, das viele Elemente von Horror-Geschichten enthält.
Die Symbole stammen aus dem eigenen Zeichensatz »TimeSaver Two«.

Stephen King teilt die Merkmale der Horrorliteratur in den Horror/Angst (wie Stufe H1), den Schrecken (wie Stufe H2) und Ekel (wie Stufe H3) ein. Andere Name, jedoch eine ähnliche Einstufung.

Nach dem Lexikon der Horrorliteratur (vergriffen, ISBN: 3890645569) gibt es außerdem noch zwei weitere Merkmale der Horrorliteratur: Science-Fiction-Horror und den nicht ernst gemeinten Horror, der durch die Stichworte Groteskes, Skurriles, Surreales, schwarzer Humor beschrieben wird.

Egal welche Einteilung Ihnen am besten gefällt, ich wünsche Ihnen schaurig-schöne Einfälle und gruselige Schreibstunden auf Ihrem Weg beim Horror schreiben.

(Ende.)

(Hinweis:) Fortsetzung folgt …