Ein gutes Ende für Geschichten

(Info:) Autoren werden in Schreibratgebern oft dazu aufgefordert, sich Gedanken über den Anfang einer Geschichte zu machen. Wie steigt man in die Geschichte ein? Was und wann muss man berichten, was vorher geschah? Wie sollte der erste Satz lauten? – Auf der anderen Seite ist das Ende einer Geschichte genau so wichtig. Wie verabschiedet sich der Autor von den Figuren und den Lesern? Welche Gefühle sollten beim Leser bleiben? Passt jedes Ende zu jedem Genre? Um diese Fragen geht es in diesem Artikel »Ein gutes Ende für Geschichten«.

»Ein gutes Ende für Geschichten« zeigt die Arten, die Unterschiede bei Genres und schließlich die passenden letzten Worte
Mindmap zu »Ein gutes Ende für Geschichten«.

(Achtung:) Spoilerwarnung! Da es in diesem Artikel »Ein gutes Ende für Geschichten« um das Ende von Erzählungen geht, wird das eine oder andere enthüllt. Ich habe daher ältere Texte als Beispiele benutzt.

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist ein »gutes« Ende?

Um zu sehen, was ein »gutes« Ende ist, schauen wir uns mal einige Ende an.

  • … Endlich nach aller vergeblichen Anstrengung kauerte sich die kleine Gestalt auf dem Polsterstuhl zusammen, rückte die Zipfelmütze zurecht und schaute, unverständliche Worte murmelnd, in den leeren Nachthimmel hinauf.
        So sitzt er noch jetzt und erwartet die Barmherzigkeit Gottes.

    [Theodor Storm – Bulemanns Haus, 1864]
  • Das war nun zwar ein ziemlich langer Wunsch. Aber er hatte trotzdem berechtigte Aussichten auf Erfüllung. Denn Martin hatte, während die Sternschnuppe fiel, kein Wort gesprochen.
        Und das ist ja bekanntlich die Hauptsache dabei.

    [Erich Kästner – Das fliegende Klassenzimmer, 1933]
  • … Herr Koreander schloß die Tür behutsam und blickte den beiden nach.»Bastian Balthasar Bux«, brummte er, »wenn ich mich nicht irre, dann wirst du noch manch einem den Weg nach Phantasien zeigen, damit er uns das Wasser des Lebens bringt.«
        Und Herr Koreander irrte sich nicht.
        Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

    [Michael Ende – Die unendliche Geschichte, 1979]
  • ... Als sie es dann wagten, verstohlen erst und dann ganz offen, da mußten sie lächeln. Sie waren außerordentlich stolz. Sie hatten zum ersten Mal etwas aus Liebe getan.
    [Patrick Süskind – Das Parfüm. Die Geschichte eines Mörders, 1985]
  • … Das würde sie natürlich nicht tun. Hiroshi hatte ihr ein zweites Leben geschenkt; dieses Geschenk würde sie in Ehren halten.
        »Vielleicht«, sagte sie und bettete das federleichte Messer zurück in sein Etui, »werde ich versuchen, unsere Geschichte aufzuschreiben. Seine und meine. Mal sehen.

    [Andreas Eschbach – Herr aller Dinge, 2011]

Diese fünf Ende sind jeweils die letzten Zeilen einer Erzählung. Sie sagen jedoch nichts über das Ende der Handlungen aus. Also müssen wir dies unterscheiden: Das Ende der Handlung und das Ende der Erzählung (Text).

Das »gute« Ende der Handlung

Ein gutes Ende für Geschichten ergibt sich je nach Genre und/oder Szenario von alleine.

  • Im Krimi oder Thriller ist das »gute« Ende, wenn der Täter ermittelt und festgesetzt wird.
  • In einer Liebesgeschichte ist das »gute« Ende, wenn die zwei Liebenden am Ende zusammenfinden.

Kurz gesagt, beginnt eine Erzählung mit einer Störung der Ordnung, dann ist das »gute« Ende, (wie im echten Leben) wenn die Störung beseitigt wurde. Da in Geschichten immer etwas Ungewöhnliches erzählt wird, gibt es kaum eine Erzählung, in der es keine Störung der Ordnung am Beginn gibt. Daher hängen Anfang und Ende einer Erzählung logisch zusammen. Hier folgen drei Beispiele:

  • Ein weißer Hai (Störung) taucht vor einem beliebten Strand an einem Feiertag auf. Zum Schluss wird der weiße Hai getötet (Störung beseitigt). [Peter Benchley – Der weiße Hai, 1974]
  • Der junge, vermögende und alleinstehenden Bingley zieht auf das Nachbaranwesen ein (Störung der Ordnung). Mutter Bennet will eine ihrer Töchter mit Bingley verheiraten. Am Ende wird geheiratet. [Jane Austen – Stolz und Vorurteil, 1813]
  • Durch ein unbekanntes Signal verlieren alle Menschen, die gerade mit einem Handy telefonieren, ihren Verstand und ihre Menschlichkeit (Störung der Ordnung). Die wenigen normalen Menschen fühlen sich von den »Phonern«, wie die Irren genannt werden, bedroht. Schließlich töten die Normalen die »Phoner«. [Stephen King – Plus, 2006]

(siehe:) unten den Abschnitt »Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Ende?«.

Ein »gutes« Ende, was ist das?

Sagen, Fabel und Märchen haben uns geprägt. Wir sind enttäuscht, wenn am Ende einer Geschichte nicht das Gute siegt und das Böse nicht bestraft wird. Wir erwarten am Ende einer Geschichte Gerechtigkeit. Diese Erwartung des Lesers definiert, ja diktiert, das »gute« Ende. Das ist im richtigen Leben ebenso wie im Buch: Eine Bedrohung muss beseitigt werden. Ist dies nicht der Fall, so ist man enttäuscht, frustriert, fühlt sich ohnmächtig und so weiter, genauso wie wir es im Herbst 2021 gerade erleben (Stichworte: Klima, Pandemie, Flüchtlinge).

Ein gutes Ende für Geschichten hinterlässt, je nach Ausgang, ein Gefühl beim Leser. Meist ist es ein gutes Gefühl, wenn das Gute gesiegt hat wie in den meisten Krimis und Thrillern. Doch der Autor kann auch andere Gefühle wie Trauer oder Zorn erzeugen und trotzdem ist der Leser zu frieden.

  • … Frodo küsste Merry und Pippin und als letzten Sam, und dann ging er an Bord. Segel wurden gehisst, der Wind wehte, und langsam glitt das Schiff in die lange graue Förde hinaus; und das Licht in Galadriels Glas, das Frodo in der Hand hielt, schimmerte noch eine Weile und verschwand. …
    [J. R. R. Tolkien – Der Herr der Ringe, 1969, Übersetzung von Wolfang Krege]

Kurz vor den letzten Zeilen im »Der Herr der Ringe« nehmen Merry, Pippin und Sam (und auch die Leser) tränenreich Abschied vom Helden der Geschichte, von Frodo.

2. Welche Arten von Enden gibt es?

Ein gutes Ende für Geschichten geht mit den Erwartungen des Lesers einher. Diese zu erfüllen, kann auf verschiedene Weise erfolgen. Dabei kann der Autor nicht nur mit den Gefühlen des Lesers spielen, sondern diese auch noch am Ende überraschen.

Ende mit Gefahren

  • Deus ex Machina (Achtung:): In den Theaterstücken der alten Griechen wurden Konflikte oder Probleme durch das Erscheinen eines »Gottes«, der mit Hilfe einer Bühnenmaschinerie unvermittelt auf der Bühne erschien, gelöst. Der Begriff »Deus ex Machina« wird noch heute benutzt, wenn es in einer Erzählung eine überraschende, unangekündigte Wendung kommt. Dieser Kunstgriff gilt als verpönt und sollte vermieden werden.
  • Offenes Ende (Achtung:): Der Autor lässt das Ende der Erzählung offen. Der Leser kann/soll sich Gedanken machen, wie es ausgehen könnte. Dies kann den Leser ratlos, ja wütend über den Autor oder die Erzählung, zurücklassen, denn die Erwartung des Lesers wurde nicht erfüllt. Daher sollte man als Autor mit diesem Ende vorsichtig umgehen.
  • Traum-Ende (Achtung:): Am Ende stellt sich heraus, dass die Hauptfigur alles nur geträumt hat. Man erinnere sich an die Fernsehserie »Dallas« als am Ende der 9. Staffel (1986) die »ermordete« Hauptfigur Bobby plötzlich unter der Dusche stand und seiner Frau Pam klar wurde, dass sie alles ab seinem Mord nur geträumt hatte. Dieser Kunstgriff kam bei den Zuschauern nicht nur gut an. Es erinnert sehr stark an Deus ex Machina. Beim Traum wäre der Zustand in Anfang und Ende der Geschichte gleich, siehe unten »zyklisches Ende«.

Gelungene Enden

  • Böses Ende: Ein böses Ende für den Bösewicht in einer Geschichte ist für den Leser ein gutes Ende. Dies findet sich schon in den Haus- und Volksmärchen der Brüder Grimm, zum Beispiel in die »Sieben Geislein«, wenn der böse Wolf mit einem Bauch voll Wackersteine aus Durst in den Brunnen stürzt. Meister dieser Enden sind Autoren wie E. W. Heine in seinen »Kille Kille«-Geschichten, ISBN 3-442-72902-5, und Henry Slesar in seinem Buch »Böse Geschichten für brave Leser«, ISBN 3-257-21248-8. Wichtig dabei ist, dass der Böse sich sein böses Ende durch einen eigenen Fehler oder Dummheit selbst bereitet.
    (Achtung:) Machen Sie jedoch nicht den Fehler einen perversen Massenmörder davon kommen zu lassen. Dieses »böse« Ende wird vom Leser nicht akzeptiert und könnte bei aller Freiheit der Kunst ((Rechtlich:) Art. 5 Absatz 3 GG) als Gewaltverherrlichung ((Rechtlich:) nach § 131 StGB) ausgelegt werden.
  • Düsteres Ende: Manchmal opfert sich eine Figur, um ein Ziel zu erreichen wie die Figur Spock in »Star Trek – Der Zorn des Khan« stirbt, um das Raumschiff zu retten; oder eine Figur stirbt am Ende, wie der »Wilde« in dem Roman »Schöne neue Welt«, ISBN 978-3-596-17577-2, von Aldous Huxley aus dem Jahr 1932, weil er in dieser schönen neuen Welt nicht leben kann. Oft bleibt Leser Trauer oder mit einer Beklommenheit zurück, was für einen dystopischen Roman typisch ist.
  • Gutes Ende: Das gute Ende, auch als »Happy End« bekannt, kennen wir aus den Märchen, die mit den Worten enden »… lebten glücklich zusammen bis an ihr Ende.« (Das berühmte »und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch.« kommt bei den Brüdern Grimm nur einmal vor, nämlich im Märchen »Fundevogel«.) Viele, vielleicht zu viele Erzählungen, enden mit einem Happy End, das man auch laut Duden als Happyend schreiben darf.

Ende mit Knalleffekt

  • Überraschung: Eine Überraschung am Ende einer Erzählung kennen wir vom Witz, jedoch auch von der Anekdote oder der Schnurre. Diese Art der Erzählungen sind meist kurz und haben eine Pointe am Ende, die den Leser zum Staunen, Schmunzeln oder Lachen bringt. Ein schönes Beispiel ist »Das wohlbezahlte Gespenst« von Johan Peter Hebel. Auch das oben erwähnte »böse Ende« kann in diese Kategorie fallen. (Mir persönlich gefallen Geschichten, die mit einer kleinen Überraschung enden, besonders gut. Es ist ein Extra, das dem Leser für sein Lesen hier geboten wird.) Der Trick mit der Pointe am Ende muss jedoch im Text gut vorbereitet sein. Auch in Krimis kann man mit Überraschungen beim Leser punkten. Eines der schönsten und erfolgreichsten Beispiele dafür ist der Roman »Und dann gabs keines mehr«, ISBN 978-3-502-79371-7, von Agatha Christie, in dem zehn Menschen auf eine einsame Insel eingeladen werden und dann auf sich gestellt, nacheinander umgebracht werden.
  • Wechsel des Bezugsrahmens: Klingt kompliziert, ist jedoch einfach, und ein Spezialfall der Überraschung. Bei dem Leser wird im Laufe der Geschichte durch Bekanntgabe von Details eine Erwartung geweckt oder ein Bild im Kopf erzeugt. Dieses wird am Ende jedoch als Fantasieprodukt entlarvt und durch etwas anderes, Unerwartetes ersetzt. So stellt sich die Hauptfigur in der Kurzgeschichte »Keine Angst« im gleichnamigen Buch, ISBN 978-3-502-79371-7, von Frank Schätzing vor, dass der Zoohändler, den er gerade überfällt, ein … wäre; ist es allerdings nicht.

Enden für Episoden in Serien

  • Zyklisches Ende: Wird am Ende einer Erzählung der Zustand des Anfangs erreicht, dann spricht man vom zyklischen Ende. Das ist ein typisches Merkmal von Sitcoms (Serien), da sich die Figuren wie bei den Simpsons nie weiterentwickeln. Sie bleiben ihren Schwächen und Fehler von der ersten bis zur letzten Episode treu.
  • Fortsetzung folgt: Auch das gehört in den Bereich der Serien, der Cliffhanger zur nächsten Episode. Die Geschichte bricht genau an der spannenden Stelle ab und der Leser fragt sich, wie es weiter geht, was er dann erst in der nächsten Geschichte erfährt.

3. Was sind die Unterschiede bei Kurzgeschichten, Romanen und Serien?

Ein gutes Ende für Geschichten passt nicht zu jeder Art von Erzählung. Die Leser haben ein gutes Gespür dafür, was passt und was passt nicht. Der Autor sollte es auch haben und es mit seinem Lektor und Testlesern besprechen.

Kurzgeschichten

Beginnen wir mit kürzeren Erzählungen, die sich unter anderem durch die Kürze des Textes auszeichnen. Von den oben aufgeführten Enden kann jede Art für Kurzgeschichten benutzt werden. Durch eine Überraschung am Ende kann die Kurzgeschichte zur Anekdote oder der Schnurre werden.

Romane

Romane, und hier zähle ich die Novellen einmal mit, sind deutlich länger als Kurzgeschichten. Da im Roman eine Entwicklung und Abgeschlossenheit vom Leser erwartet wird, kommen das zyklische Ende und Fortsetzung folgt nicht in Frage. Alle anderen Ende sind jedoch anwendbar. Das gute Ende (Happy End) dürfte dabei am häufigsten vorkommen. (Tipp:) Daher versuchen Sie es doch mal mit einem anderen Ende.

Serien

Enthält die Serie keine Entwicklung der Hauptfiguren, so wie man es von Sitcoms oder Science-Fiction-Serien bis in die 1980 kannte, dann kommen alle Arten von Enden infrage. Sie haben die freie Auswahl.

4. Welche Unterschiede gibt es in den Genres und was haben die Erwartungen des Lesers damit zu tun?

Das Genre (zu Deutsch die »Gattung«) fasst Erzählungen mit ähnlichen Inhalten zusammen. So gibt es (Abenteuer:) Abenteuerromane, (Bildungsroman:) Bildungsromane, (Fantasy:) Fantasieromanen, (Gesellschaftsroman:) Gesellschaftsroman, (Historische:) Historische Romane, (Horror:) Horrorromane, (Jugendbuch:) Jugendromane, (Kinderbuch:) Kindergeschichten, (Kriegsliteratur:) Kriegsromane, (Liebe:) Liebesromane, (Mystery:) Mystery-Romane, (SciFi:) Zukunftsromane, (Triller:) Krimis und Thriller und (Western:) Westernromane.

Ein Leser, der bereits Erzählungen aus dem gleichen Genre gelesen hat, hat zu Recht die Erwartung, dass in der neuen Erzählung ähnlich ablaufen wird. Im Genre Liebesroman erwartet der Leser, dass die zwei Hauptfiguren am Ende zusammenkommen, also sich das Werk an den üblichen Ablauf der Handlung mit dem erwarteten Ende hält. Trotzdem hat Autor alle Freiheit mit den Emotionen des Lesers zu spielen.

Ein besonderen Ablauf haben Thriller und oft auch Horrorromane, denn es gibt mehr als nur ein Ende in der Handlung, meist sind es zwei. Im ersten (Schein-)Ende besiegt der Held die Helfer des Bösewichts. Alles vorbei? Nein! Überraschend und wütend taucht der Bösewicht persönlich auf und fordert den Helden zum Duell.
(siehe:) Artikel »Ein Ende ist nicht genug für Thriller und Horror«.

5. Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Ende?

Für ein gutes Ende für Geschichten gibt die Handlung, wie oben schon erwähnt, den richtigen Zeitpunkt für das Ende vor. Beginnen Sie Ihre Erzählung mit einer Störung der Ordnung, dann ergibt sich das Ende automatisch, wenn die Störung beseitigt wurde. Hat zu Beginn die Hauptfigur ein großes Problem oder einen Wunsch, dann endet die Erzählung mit der Lösung des Problems beziehungsweise mit der Erfüllung des Wunsches oder der Erkenntnis, dass der Wunsch unerfüllbar ist. So oder so, der richtige Zeitpunkt für das Ende ergibt sich aus der Storylogik.

Eine andere Möglichkeit den Zeitpunkt für das Ende festzustellen ist, sich die Spannungskurve der Geschichte anzusehen. Wenn diese zur Nulllinie, wie bei einem EKG eines Toten wird, also keine wirklichen Ausschläge mehr noch oben hat, dann ist es längst Zeit auch der Geschichte, den Stecker zu ziehen. Seien Sie mutig und nehmen Sie Abschied von den Figuren – und hey! Vielleicht haben Sie ja schon Ideen für ein Wiedersehen, sprich für eine Fortsetzung.

6. Das Ende wiederholt etwas vom Anfang

Sie haben sich entschieden, dass das Ende erreicht ist. Wie können Sie nun die Erzählung auf den letzten Zeilen beenden. Eine sehr schöne Möglichkeit, die man nicht so oft findet, ist es, etwas vom Anfang der Geschichte zu wiederholen. Machen Sie dies jedoch nur, wenn es zur Logik der Geschichte passt, weil sich damit irgendwie der Kreis schließt.

  • Beginnen und enden Sie mit dem gleichen Wort, zum Beispiel dem Namen einer Figur.
  • Beginnen und enden Sie mit dem gleichen Wetter, dem gleichen Ort oder den gleichen Figuren. Machen Sie jedoch auch klar, was sich am Ende der Geschichte verändert hat.
  • Vor dem Anfang der Geschichte steht der Titel. Dieser ist manchmal für den Leser etwas kryptisch. In den letzten Zeilen haben Sie die Möglichkeit durch den Mund einer Ihrer Figuren den Titel zu erklären.

7. Das Ritual am Ende einer Episode

Ein gutes Ende für Geschichten ist bei Serien ein sich wiederholendes Schlussbild oder Schlussszene, ein Ritual. Wenn Sie die Abenteuer von Asterix dem Gallier folgen, dann wissen Sie, dass das letzte Bild in den Comics ein Festgelage ist, an dem alle im Dorf teilnehmen. Alle? Na ja der Barde Troubadix hängt meist an einem Baum ab, unfreiwillig, gefesselt und geknebelt, weil er sonst mit seiner schrecklichen Stimme zum Essen singen würde. Das Festmahl ist ein festes Ritual und die Leser würden nicht verstehen, wenn darauf verzichtet würde.

Das Ritual am Ende einer Episode in einer Serie kann einen guten Abschluss bilden. Die Figuren erinnern sich kurz ((!)) an besondere Momente in der Geschichte. So was bleibt den Lesern als schöner Abschluss auch eher im Kopf. Denken Sie sich eine wiederkehrende Handlung für eine oder eine Gruppe von Figuren Ihrer Serie aus. Hier noch ein paar Beispiele:

  • Am Ende des Abenteuers trifft man sich zum Festgelage im Dorf zu Wildschweinbraten. – Asterix von René Goscinny und Albert Uderzo (Comic-Serie seit 1961).
  • Im Starlight Casino finden sich die Raumfahrer und ihre Vorgesetzten zusammen, um auch mal zu flachsen und zu lachen, über die Krise, die gerade überstanden wurde. – Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion von Hans Kneifel (Buch- und TV-Serie).
  • Das Haus von außen in der Dämmerung. Nach und nach gehen die Lichter aus und man hört aus dem Off die Wünsche zur guten Nacht. »Gute Nacht, John-Boy.« – Die Waltons (TV-Serie von 1972 bis 1981).
  • Der Held reitet einsam in den Sonnenuntergang. – Lucky Luke (Comic-Serie seit 1946). Dieses Bild gilt heute als typische Schlussszene (Klischee) für Western.

8. Die letzten Worte

Egal, für welches Ende Sie sich aus dem Artikel »Ein gutes Ende für Geschichten« für Ihre Erzählung entschieden haben. Sie müssen die letzten Worte finden und schreiben. Wenn Sie sich ganz oben die ersten Beispiele angesehen haben, dann ist Ihnen sicher aufgefallen, dass dabei Gefühle und vor allem Hoffnung angesprochen wurden. So helfen Sie dem Leser, Abschied von den Figuren zu nehmen, und sich selbst, gut im Gedächtnis Ihrer Leser zu bleiben.

Vermeiden Sie es, dass der Leser sich nach der Geschichte schlecht fühlt oder in ein Loch fällt. Der Leser liest, weil er seinem Alltag entkommen möchte. Im Film (nicht im Buch) »Der Herr der Ringe, Teil II, Die zwei Türme« sagt Sam zu Frodo: »Ich weiß. Es ist alles falsch. Eigentlich dürften wir gar nicht hier sein, an diesem Ort. Aber wir sind hier. Das ist wie in den großen Geschichten, Herr Frodo, in denen, die wirklich wichtig waren. Voller Dunkelheit und Gefahren waren sie. Und manchmal wollte man das Ende gar nicht wissen, denn wie könnte so eine Geschichte gut ausgehen? Wie könnte die Welt wieder so wie vorher werden, wenn soviel Schlimmes passiert ist? Aber letzten Endes geht auch er vorrüber, dieser Schatten. Selbst die Dunkelheit muss weichen. Ein neuer Tag wird kommen und wenn die Sonne scheint, wird sie umso heller scheinen. Das waren die Geschichten, die einem im Gedächtnis bleiben, selbst, wenn man noch zu klein war, um sie zu verstehen.«

9. Kein gutes Ende

(Frage:) Sie haben kein gutes Ende für Ihre Geschichte gefunden? Was nun?

  • Solange die Erzählung noch bei Ihnen auf dem Computer schlummert, haben Sie die Möglichkeit, das Ende um zu schreiben. Folgen Sie einfach den Möglichkeiten in diesem Artikel »Ein gutes Ende für Geschichten«.
  • Falls Ihre Erzählung schon im Handel ist und es viel Kritik am Ende gibt, dann schauen Sie sich diese genau an. Was beinhaltet die Kritik? Wirklich Ärger über ein schlechtes Ende? Fühlen Sie die Leser getroffen oder eher verraten?

Der britische Autor Arthur Conan Doyle hatte genug von seiner Figur Sherlock Holmes und brachte sie 1883 einfach um, in dem er Holmes in die Reichenbachfälle in den Berner Alpen stürzen liess. Und das obwohl sogar seine Mutter ihn von diesem Vorhaben abriet. Die Empörung und Trauer in London war groß. 1901 erschien der »Hund von Baskerville« mit dem wieder »auferstanden« Sherlock Holmes und in der darauf folgenden Kurzgeschichte »Das leere Haus« erklärte Doyle seinen Lesern sogar, wie Holmes den Sturz in die Reichenbachfälle überlebt hatte.

Sie sehen also, schon damals wusste man, ein schlechtes Ende zu reparieren. Heute im Zeitalter von Websites und E-Books geht es noch einfacher. Auf der Website könnte man ein alternative Ende anbieten und das E-Book durch eine neue Fassung ersetzen.

10. Ein alternatives Ende

(Frage:) Sollten Sie ein alternatives Ende zu Ihrer Geschichte schreiben?

Ohne Not: Nein! Anfang und Ende machen zusammen die Geschichte aus. Ein alternatives Ende macht daraus eine andere Geschichte: Es verändert die Aussage, die Stimmung und so weiter.
(Tipp:) Lassen Sie sich nicht von Hollywood verführen, die gerne mal ein alternatives Ende als Extra auf DVD oder im Streaming anbieten. Bleiben Sie bei Ihrem guten, stimmigen Ende.

11. Epilog und Anhang

Und wenn Sie doch noch was über die Figuren zu sagen haben, dann packen Sie es in den Epilog (zu Deutsch »Nachwort«). Dieser sollte keine Handlung oder gar neue Ideen mehr bringen, sondern nur dem Leser noch etwas zu den Figuren oder dem Werk erklären, wie ein »Abspann« zum Buch.

  • Michael Crichton hat in seinem Nachwort zum Buch »Welt in Angst«, ISBN 3-89667-210-X, Stellung bezogen, zu den im Buch aufgeworfenen Fragen über Umweltschutz und Klima. Mit der Handlung hat das nichts (mehr) zu tun.
  • J. R. R. Tolkien hat am Ende seines Buches »Der Herr der Ringe« nicht weniger als 200 von fast 1800 Seiten mit Anhängen gefüllt, in denen er seine Erzählwelt namens Mittelerde genauer vorstellt und dies sogar mit einigen selbstgezeichneten Karten abschließt. In einem Fantasyroman mag das sinnvoll sein, um den Leser tiefer in diese Welt eintauchen zu lassen. Doch bedenken Sie, ein gutes Ende für Geschichten kann durch einen Epilog auch gestört werden. Wenn es gar nicht anders geht, dann ist der Anhang der bessere Platz, weil dieser deutlicher nicht mehr zur Erzählung gehört.

(Tipp:) Beenden Sie Ihr Werk statt mit einem (technischen) Epilog mit schönen, erinnerungswürdigen, gefühlvollen, und hoffnungsfrohen Worten.

Schlusswort

Damit komme auch ich zum Ende meines Artikels »Ein gutes Ende für Geschichten«, in dem ich versucht habe die meisten Aspekte zu beleuchten. Bei der Wahl des Endes für Ihre Erzählung in Art und Zeitpunkt folgen Sie am besten Ihrem Bauchgefühl.

(Tipp:) Sie müssen eine Geschichte nicht mit dem Wort »Ende« beenden. Die meisten Autoren verzichten darauf; verboten es ist jedoch auch nicht.

Ende

(Ende.)