Ein Ende ist nicht genug für Thriller und Horror

(Info:) Ein Ende ist nicht genug für Thriller und Horror, denn in diesen Genres wird mit der Angst um die Hauptfigur im letzten Viertel der Erzählung gespielt. Der Titel dieses Artikels erinnert nicht um sonst an die Buchreihe von Ian Flemming und Filmserie um James Bond, Agent 007.
Im ersten Artikel »Ein gutes Ende für Geschichten« wurden alle möglichen Arten von Enden vorgestellt, in diesem zweiten Artikel geht es nun um mehrere Enden nacheinander, die eine Erzählung haben kann.

Ein Ende ist nicht genug für Thriller und Horror, sondern in diesen Genres wird mit der Angst um die Hauptfigur im letzten Viertel gespielt.
Mindmap zum Artikel »Ein Ende ist nicht genug«.

(Achtung:) Spoilerwarnung! Da es in diesem Artikel um das Ende von Filmen oder Romanen geht, wird das eine oder andere enthüllt. Ich habe daher Ältere als Beispiele benutzt.

Inhaltsverzeichnis

1. Beispiele für Filme mit mehreren Enden

Normalerweise haben Romane wie Filme ein Ende, das oft auf der Erfüllung eines Wunsches, der Lösung eines Problems oder der Beseitigung einer Störung basiert. Diese einmaligen Enden werden von der Storylogik diktiert. Es gibt jedoch Werke, wie dieser Artikel »Ein Ende ist nicht genug für Thriller und Horror« zeigt, in der mit mehreren Enden aufeinanderfolgen.

Ein fünffaches Filmende

Im dritten und letzten Teil »Die Rückkehr des Königs« in der Filmtrilogie »Der Herr der Ringe« von Peter Jackson kommen Frodo und Sam zum feurigen Berg. Als Frodo endlich den Ring in die Lava werfen will (Ende #1), verhindert Gollum dies, der plötzlich auftaucht und mit Frodo kämpft. Schließlich erbeutet Gollum den Ring und fällt mit ihm in die Lava (Ende #2). Nun sitzen Frodo und Sam alleine am Vulkan fest, während der Berg Lava spuckt. Die Rettung kommt in Gestalt der Adler, die von dem Zauberer Gandalf angeführt werden (Ende #3). Im weiteren Verlauf gibt es sogar noch zwei Enden: Frodo und sein alter Onkel Bilbo dürfen mit den Elben reisen (Ende #4) und Sam kehrt ins Auenland zurück und heiratet seine Rose (Ende #5).

Das »normale« doppelte Ende im Film

Ein doppeltes Ende findet sich in sehr vielen Thrillern und Horrorfilmen. Es ist das Spiel mit den Emotionen des Zuschauers. Eigentlich es ist überstanden und dann schlägt das Böse überraschend, noch mal zu.

In dem Film »Der weiße Hai« von Steven Spielberg (1975), gelingt es dem Polizeichef Brody den Hai zu töten (Ende #1). Alleine auf dem sinkenden Boot droht der wasserscheue Brody nun zu ertrinken, als unvermittelt der totgeglaubte Meeresbiologe Matt Hooper wieder auftaucht, der ihn auf zwei Fässern an Land bringt (Ende #2).

»Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt« ist eine Übertragung des weißen Hais ins Weltall. Der Film Ridley Scott von 1979 zeigt zum Schluss, wie Lt. Ellen Ripley den Raumfrachter mit der kostbaren Ladung zur Explosion bringt (Ende #1). Alles überstanden. Ruhe tritt ein. Sie ist alleine mit der Katze Jonesy in der Rettungskapsel. Doch dort kommt es dann zum finalen Kampf zwischen ihr und dem Alien (Ende #2).

In den James Bond-Filmen von 1968 (»007 jagd Dr. No«) bis 2002 (»Stirb an einem anderen Tag«) beseitigt der britische Agent mit Hilfe von Helfern oder alleine zuerst die Handlanger des Bösewichts (Ende #1) und dann den Schurken selbst (Ende #2), falls dieser nicht durch eigene Unfähigkeit wie Dr. No sich selbst ein Ende bereitet oder klammheimlich entwischen kann wie Blofeld.

2. Besonderheiten im Thriller oder Horror

Mit den oben erwähnten Bond-Filmen haben wir die Besonderheit von Thrillern schon gezeigt. Die Hauptfigur rettet die Lage oder die Welt durch Ausschalten der Gehilfen des Schurken. Ein Moment der Ruhe und dann schlägt der Bösewicht voller Wut über die Verhinderung seines genialen Plans zu. Es kommt im zweiten Ende zum direkten, finalen Duell zwischen der Hauptfigur (Held) und der Gegenfigur (Bösewicht), den der Held dadurch gewinnt, dass er eine Schwäche der Gegenfigur nutzen kann.

Das erste Ende, das nur scheinbar den Sieg bringt, kann man als Scheinende bezeichnen. Nach kurzer Ruhe erscheint der angeblich geschlagene Gegenspieler und fordert die Hauptfigur zum entscheidenden, persönlichen Duell, das die Entscheidung bringt. Im Zweikampf wird die Gegenfigur besiegt oder vernichtet sich selbst, was das wahre (zweite) Ende darstellt. Doch so muss es nicht immer laufen: Autoren wie Dan Brown überraschen gerne ihre Leser. – Beispiele gewünscht? (Achtung:) Vorsicht Spoiler!

Beispiele aus dem Genre Thiller

Der Artikel »Ein Ende ist nicht genug für Thriller und Horror« zeigt Ihnen drei Beispiele aus dem Genre Thriller. Ein Thriller ist über (fast) den ganzen Text hinweg ein auf und ab zwischen Anspannung und Erleichterung, und dies macht sich dann auch im Ende bemerkbar.

  • Dan Brown »Diabolus«, 1998, ISBN 978-3-7857-2194-0: Der Bösewicht Trevor Strathmore, Vizechef der NSA, stirbt (Ende #1), doch das Problem mit den Hakerangriffen auf den Supercomputer bleibt bestehen. Nur noch wenig Zeit bleibt eine Lösung, nämlich den Code zum Aufbau der Firewall zu finden. Und er wird gefunden; war er doch die ganze Zeit offen für alle sichtbar (Ende #2). Hier die Verhinderung des Plans erst der zweite und entscheidende Schritt.
  • Dan Brown »Meteor«, 2003, ISBN 978-3-404-17504-8: Die Person, die hinter dem ganzen Verwirrspiel steckt, kommt ums Leben (Ende #1). Der Senator Sexton, der eigene Pläne verfolgt, glaubt zu triumphieren, als er von unerwarteter Seite lächerlich gemacht und damit gestoppt wird (Ende #2). Mehrere Gegenspieler in »Meteor« erfordern aus mehrere Lösungen (Enden).
  • Michael Crichton »DinoPark« (Jurassic Park), 1990, ISBN 978-3-4538-1150-8: Die Überlebenden, darunter auch die Kinder, werden gerettet. Das Militär bombardiert die Insel, um die Dinos zu töten (Ende #1). Jedoch ganz zum Schluss, tauchen erste Dinosaurier auf dem Festland auf (Ende #2). Und ein schönes Beispiel für ein gelungenes offenes Ende.

Beispiele aus dem Genre Horror

Der Artikel »Ein Ende ist nicht genug für Thriller und Horror« zeigt Ihnen drei Beispiele aus dem Genre Horror, in dem es wie im Thriller darum geht, zwischen Schrecken/Erschrecken und Entspannung abzuwechseln.

  • Stephan King »Carrie«, 1974, ISBN 3-404-13121-5: Carrie, die tragische Heldin rächt sich an ihren Mitschülern für das Leid, das man ihr angetan hat (Ende #1). Dann macht sie sich auf den Weg zu ihrer Mutter. Statt Verständnis zu finden, ermordet sie ihre Mutter, um dann kurz darauf selbst zu sterben (Ende #2). Das ist zweimal ein »böses« Ende, denn das Böse wird bestraft.
  • Stephen King »Brennen muss Salem«, 1975, ISBN 3-453-02053-7: Nach dem Tod des Vampirs Barlow fliehen die Hauptfiguren Ben und Mark zuerst (Ende #1). Dann jedoch kommen sie wieder zurück, weil die Bedrohung noch nicht beseitigt ist, und brennen Salem mit seinen vielen Untoten nieder (Ende #2). Eine Lösung in zwei Schritten (Enden).
  • Stephan King »Die Arena« (Under the Dome), 2009, ISBN 978-3-45343-523-0: Durch eine gewaltige Explosion wird der Sauerstoff unter der Kuppel knapp und es droht alles zu sterben (Ende #1). Doch einige Überlebende schaffen es, dass die Kuppel plötzlich verschwindet (Ende #2). Das erste Ende nach der Explosion scheint unausweichlich, was ein düsteres Ende gewesen wäre, doch es kommt noch zum guten Ende (Happy End). Auch wenn man die Lösung des sonst guten Romans kritisieren kann.

Fazit

Im Genre von Thrillern und Horror sind zwei Ende üblich, ja werden vom Leser erwartet, um dieser Literaturgattung gerecht zu werden. Die Beispiele haben gezeigt, dass der Autor in der Reihenfolge und der Wahl seiner Enden freie Wahl hat, um mit den Gefühlen seiner Leser zu spielen.

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