Auslassung und Gedankenstrich

Wortwolke Auslassung und Gedankenstrich

Im realen Leben reden wir nicht nur in vollständigen Sätzen aus Subjekt, Prädikat und Objekt. Sondern wir machen beim Sprechen Pausen. Beides kommt auch in modernen Erzählungen vor. Sucht man hingegen in den rund 200 Kinder und Hausmärchen der Brüder Grimm, so findet man eine Auslassung nur in »Hänsel und Gretel« und den Gedankenstrich in »Jorinde und Joringel“ sowie in »Das blaue Licht«. Der Duden erklärt die Regeln für Auslassung und Gedankenstrich, jedoch ist der Autor frei in der Wahl der Mittel; sofern er dies konsequent anwendet.

Auslassungspunkte

Duden: D17 – D18, § 99 – § 100 
Auslassungspunkt werden durch drei Punkte »…« dargestellt.
Das Weglassen von meist einem Buchstaben, wie in der gesprochenen Sprache, wird durch ein Apostroph angezeigt.

Auslassungspunkte auf dem Computer eingeben

  • Im ASCII gibt es kein Sonderzeichen für die Auslassung. Man tippt einfach drei Punkte.
  • Je nach verwendetem Zeichensatz können aus den drei Punkte ein Zeichen werden, wenn dieses Zeichen als Ligatur im Zeichensatz enthalten ist und die Verwendung von Ligaturen im Schreibprogramm aktiviert ist.
  • Unter macOS über <.> aufrufbar.
  • Unter Windows über mit der Ziffernfolge »0 1 3 3« auf dem Ziffernblock aufrufbar.
  • In HTML-Quellcode als »…« oder »…« aufrufbar.
  • In Unicode liegen die Auslassungspunkte auf U+2026.
Auslassung und Gedankenstrich – Drei Punkte für Buchstabenauslassungen und Wortauslassungen
Drei Punkte für Buchstabenauslassungen und Wortauslassungen

Anwenden der Auslassungspunkte

… als Auslassung von Buchstaben oder ganzer Worte

Wird ein Wort nicht ausgeschrieben, dann wird die Auslassung ohne (!) Leerzeichen direkt an die Buchstaben gesetzt.

  • »Nein«, sagte Clay. »Mir fehlt n…« Aus dem Kontext wird klar, er wollte noch das Wort »nichts« sagen.
    [Stephen King – »Puls«]

    Wird ein Satz nicht ausgeschrieben, dann stehen die drei Punkt wie ein eigenständiges Wort da. Also mit (!) Leerzeichen vor den Punkten.
  • »Hat sie ein …?« Alice wollte das Wort nicht aussprechen.
    Aus dem Kontext ist klar, dass ein »Handy« gemeint ist.
  • »Wenn er uns gesehen hätte …«, begann er.
    Hier wird der Satz bewusst nicht weitergeführt. Der Leser kann sich denken, was kommen könnte.
    [Stephen King – »Puls«]

    Besonderheit: Endet ein Satz mit einem Punkt und stehen direkt davor drei Punkte, dann fällt der Schlusspunkt weg. Ausrufe- oder Fragezeichen werden hingegen wie gewohnt gesetzt.
  • Richtig. Aber … Aber Johnny hatte eines.
    [Stephen King – »Puls«]

    Beginnt ein Satz mit Auslassungszeichen, so wird der vorhergehende Satz mit dem Satzschlusspunkt abgeschlossen.
  • Es ist allen bekannt. … macht da keine Ausnahmen.

    Die Auslassungspunkt kommen auch zum Einsatz, wenn ein Sprecher von einem anderen unterbrochen wird. Schön an diesem Beispiel ist, dass das Wort »jedenfalls« vom zweiten Sprecher wieder aufgegriffen wird.
  • » […] Und jedenfalls …«
    »… jedenfalls ist es jetzt zu spät, zumindest für heute«, ergänzte Clay.
    [Stephen King – »Puls«]

… als Einschub

Das Symbol für die Auslassung statt Gedankenstrich ist für einen Einschub eher selten. Jedoch wie beim realen Sprechen, kommt da plötzlich ein Gedanke in die Rede hinein. Dann kann man die drei Punkte wie Stephen King verwenden.
Ein Einschub wird auch »Parenthese« (altgriechisch παρένθεσις parénthesis, deutsch ‚Einschub‘) genannt. In der Parenthese, wie im folgenden Beispiel, kann auch ein Fragezeichen oder Ausrufezeichen gesetzt werden; aber kein Punkt.

  • Ruft man jemanden an oder wird selbst angerufen, erhält man eine Art … was? … eine Art unterschwelliger Botschaft, vermute ich mal, die einen überschnappen lässt.
    Der Einschub »… was? …« ist der Zwischengedanke mit Nachdenkpause, während der Einschub »vermute ich mal« mit Komma normal in die Rede eingefügt ist.
    [Stephen King – »Puls«]

… als Pause

Das Symbol für die Auslassung statt Gedankenstrich kann auch als Pause verwendet werden. Jedoch außerhalb der wörtlichen Rede ist der Gedankenstrich vorzuziehen.

  • Was willst du?«, fragte er den Lumpenmann … und beantwortete seine Frage sofort selbst:
    [Stephen King – »Puls«]

Anwenden der Auslassungspunkte in der wörtlichen Rede

Es gibt keinen Unterschied in der wörtlichen Reden gegenüber dem normalen Text.

  • „Sch… verdammt noch mal!“
  • „Scher dich zum …!“
  • „Ich habe dir doch gesagt …“

Anwenden der Auslassungspunkte bei Zitaten oder wissenschaftlichen Texten

Bei Zitaten oder in wissenschaftlichen Texten werden die Auslassungspunkte üblicherweise in Klammern gesetzt.

  • „(…) Drum prüfe, wer sich ewig bindet, (…)“ Schiller – »Die Glocke«, Vers 90
    Alternativ können auch eckige […] oder geschwungene {…} Klammern verwendet werden. Hauptsache es wird konsequent im Text durchgehalten.

Auslassungssterne

Früher wurden drei Sterne als Auslassungszeichen verwendet. Dies kommt zehnmal in »Das öde Haus« von E. T. A. Hoffmann (1776 – 1822) vor. Daraus wurden später die heute üblichen drei Punkte.

  • »Ihr wißt« (so fing Theodor an), »daß ich den ganzen vorigen Sommer in ***n zubrachte.

Funktion der Auslassungszeichen

Zum Ersten kann das Auslassungszeichen für das bewusste Weglassen eines Worts oder Satzteils verwendet werden. Diese Auslassung wird als Ellipse bezeichnet, aus dem Altgriechischen ἔλλειψις (élleipsis) = Zurücklassen, Unterlassen oder Auslassen.
Die meisten Ellipsen werden ohne Auslassungszeichen verwendet, da die Aussagen meist leicht zu verstehen sind oder feststehende Redewendungen geworden.

  • Martin fährt nach Hamburg, Peter (fährt) nach Berlin.
  • Grüß (dich) Gott!
  • Scher dich zum …! Macht klar, dass hier der »Teufel« gemein ist.

Zum Zweiten kann das Auslassungszeichen, besonders in der wörtlichen Rede, für ein Zögern stehen.

  • »Ich weiß nicht, … ob ich zustimmen soll.« (siehe oben der Einschub »… was? …« innerhalb der wörtlichen Rede)
    Alternativ für die ‚zögernden Auslassungspunkte‘ kann auch der Gedankenstrich ‚–‘ verwendet werden.
  • »Ich weiß nicht, – ob ich zustimmen soll.«

Zum Dritten können Auslassungspunkte für ein betretenes oder peinliches Schweigen in der wörtlichen Rede verwendet werden. Was einer leeren Sprechblase im Comic entspricht.

  • »Sind die Blumen natürlich oder künstlich?«
    »…«

Der Gedankenstrich

Duden: D43 – D46, § 82 – § 85 
Der Gedankenstrich steht im Text für eine Pause oder einen Einschub selten für eine Auslassung. Er kann auch durch Komma oder Klammern ersetzt werden.

Auslassungspunkte auf dem Computer eingeben

Der Gedankenstrich entspricht im Deutschen dem Halbgeviertstrich »–« und hat meist die Breite von zwei Leerzeichen.

  • Im ASCII hat der Gedankenstrich die Nummer 96(hex) oder 150(dez).
  • Je nach verwendetem Programm und oder Zeichensatz können aus den zwei Minuszeichen ‚-‚ ein ‚–‘ werden, wenn es dafür ein Makro wie in WORD oder eine Ligatur im Zeichensatz enthalten ist und die Ligatur eingeschaltet ist.
  • Unter macOS über <-> aufrufbar.
  • Unter Windows über mit der Ziffernfolge »0 1 5 0« auf dem Ziffernblock aufrufbar.
  • In HTML-Quellcode als »–« oder »–« aufrufbar.
  • In Unicode liegen die Auslassungspunkte auf U+8211.
    Der Halbgeviertstrich wird im Deutschen auch für Preise »9,–« (= 9,00) oder für den Bereich von Zahlen »1 – 10« verwendet.
Auslassung und Gedankenstrich – Der Gedankenstrich für Pause, Auslassung oder Einschub in einem Satz
Der Gedankenstrich für Pause, Auslassung oder Einschub in einem Satz

Anwenden des Gedankenstrichs

Vor und nach dem Gedankenstrich wird ein Leerzeichen gesetzt, sofern nicht unmittelbar ein Satzzeichen folgt.

… als Pausenzeichen

In Bram Stokers »Dracula« werden Zeitangaben und auch Ortsangaben stets am Beginn eines neuen Absatzes mit Gedankenstrich vor den Text gestellt. Über 600-mal taucht der Gedankenstrich in diesem Briefroman von 1897 auf.

  • Mitternacht. – Ich habe lange mit dem Grafen geplaudert.
  • 12. Mai. – Ich beginne mit Tatsachen, reinen, nackten Tatsachen, die durch Bücher und Zahlen dargetan werden und an denen nicht gezweifelt werden kann.
    Eine echte Pause des Überlegens findet sich hier:
  • »Ah«, sagte er, – »immer noch über den Büchern? Gut. Aber Sie dürfen nicht immer arbeiten. Kommen Sie mit; ihr Abendtisch ist meines Wissens bereit.«
    Eine Pause gibt es häufig auch, wenn unerwartet das Thema gewechselt wird.
  • »Lassen Sie sich raten, lieber junger Freund – nein, lassen Sie sich lieber in allem Ernst davor warnen, in einem anderen Teile des Schlosses zu schlafen, wenn Sie überhaupt die Absicht haben, aus diesen Zimmern zu gehen. […]
    [Bram Stoker – »Dracula«]

… als Einschub

Ein oder zwei Gedankenstriche werden verwendet, um einen Einschub in einem Text abzugrenzen.

  • Graf Dracula hatte mir geraten, im Hotel Goldene Krone zu übernachten, einem Haus nach altem Stil – zu meiner Freude, da ich so viel als möglich von dem sehen wollte, was das Land bietet. (Der Einschub des Erzählers lautet »zu meiner Freunde«.)
  • »Sieh, Herr, Isten Szek! – Gottes Sitz«, […]
  • Ich freue mich wirklich darauf, wenn wir – ich meine Jonathan und mich – sie einmal bereisen werden.
    [Bram Stocker – »Dracula«]
    Alternativ könnten die zwei Gedankenstriche durch Kommata oder Klammern ersetzt werden.
  • Dieses Buch, es war sein letztes, verkauft sich hervorragend.
  • Dieses Buch (es war sein letztes) verkauft sich hervorragend.
    Es gibt zwar keine Regel, wann was verwendet wird, aber die Klammerung könnte als Einschub des Autors oder Erzählers verstanden werden, während die Gedankenstriche oder Kommata Teil der wörtlichen Rede einer Figur sein könnten.
  • Lässt schließlich erst der Blick des Liebenden das Unvollkommene vollkommen werden, bis es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern – honigschwere Tragik aller Liebe – nur noch zu zerstören: die letzte, höchste Lust. [Frank Schätzing – »Wollust« aus der Kurzgeschichtensammlung »Keine Angst«]
  • Gewiss gab es Albträume, und gewiss lagen Kinder nachts wach, und das leere Haus der Dodds (denn seine Mutter erlitt wenig später einen Schlaganfall und starb) wurde bald als Spukhaus gefürchtet, und man mied es; […] [Stephen King – „Cujo“]

… als Auslassung

Der Gedankenstrich kann auch für eine Auslassung stehen. Innerhalb einer wörtlichen Rede, wie hier, sollte man aber stattdessen besser Auslassungspunkten verwenden.

  • » […] Sollte der Schlaf Sie jetzt oder irgendwann übermannen, so eilen Sie sofort in ihr Schlafzimmer oder in eines dieser Gemächer, dann ist Ihre Ruhe gesichert. Sind Sie aber unvorsichtig in dieser Beziehung, dann –« Er schloss seine Rede in unheimlicher Weise […]
    [Bram Stoker – »Dracula«]

Fazit

  • Auslassungen sollte man besser mit Auslassungspunkte »…« schreiben. Stehen diese am Ende eines Satzes, dann fällt der Schlusspunkt weg.
  • Pausen sollte man außerhalb der wörtlichen Rede mit dem Gedankenstrich »–« machen, der etwa so lang wie zwei Leerzeichen ist und nicht mit Minuszeichen »-« verwechselt werden darf. Innerhalb der wörtlichen Rede geht beides.
  • Bei Einschüben sollte man unterscheiden, wer den Einschub macht. Ist es eine Figur, dann setzen Sie entweder Kommata, Auslassungspunkte oder Gedankenstriche; je nachdem welche Wirkung sie erzielen wollen. Ist es der Autor oder Erzähler, der etwas im Satz ergänzt, dann packen Sie es besser in runde Klammern.