Apostroph

Wortwolke Apostroph, Hochkomma, Genetiv Interpunktion, Wortzeichen

Duden: D13-16, § 96 – 97
Der Apostroph (von altgriechisch ἀπόστροφος apóstrophos, deutsch ‚abgewandt‘), auch Hochkomma oder Oberstrich genannt, ist ein eher selten gebrauchtes Interpunktionszeichen und gehört zur Gruppe der Wortzeichen, da es nicht zur Gliederung eines Satzes verwendet wird. Und es ist das im Deutschen am häufigsten falsch verwendet Zeichen.

  

Apostroph für Buchstabenauslassungen und Wörter Genitiv, die auf einen s-Laut enden
Apostroph für Buchstabenauslassungen und Wörter Genitiv, die auf einen s-Laut enden

Apostroph statt eines Buchstabens

Der Apostroph wird für die Auslassung meist eines Buchstabens verwendet, wenn die verkürzte Form schwer lesbar oder missverständlich wäre.

  • Ich weiß, dass ihr alle drauf abgefahren seid, ’s war ’ne Stimme aus der Vergangenheit, der goldenen, kam direkt vom Friedhof, eine Scheibe, die’s voll bringt.
    [Stephen King – »Nächtliche Brandung« aus der Kurzgeschichtensammlung »Nachtschicht«]

Ausnahme beim Schluß-e

Es gibt jedoch Ausnahmen. So wird ein Schuß-»e« bei bestimmten Worten weggelassen und nicht durch ein Hochkomma ersetzt.

  • »Arthur, hör auf. Lass diesen Unfug.« (statt: höre auf.)
    [Stephen King – »Ich bin das Tor« aus der Kurzgeschichtensammlung »Nachtschicht«]

Apostroph zeigt das Verschlucken von Buchstaben an

Im Gegensatz zu Auslassungenspunkten zeigt der Apostroph das Verschlucken von Buchstaben in der gesprochenen Sprache an. Häufig wird das Zeichen in der wörtlichen Rede verwendet, um Umgangssprache abzubilden. Dabei kann das Hochkomma am Anfang, im oder nach dem Wort stehen.

  • »Ich wette fünf zu eins, dass er ’ne Illustrierte liest, während sich das Zeug in seinen Behältern stapelt.«
  • »Na, wie sieht’s aus, Student?«
    [Stephen King – »Spätschicht« aus der Kurzgeschichtensammlung »Nachtschicht«]

Keine Regel ohne Ausnahme: Bei Präpositionen, auf die ein Artikel wie »das« folgt, werden zusammengezogen ohne Apostroph geschrieben: »ans, aufs, durchs, fürs, hinters, ins, übers, ums, unters, vors«.

  • Mrs. Boyle nahm ihn über ihr Strickzeug hinweg mißbilligend aufs Korn.
  • Bei diesen Worten blickte er Christopher Wren fest ins Auge.
  • Plötzlich schlug sie die Hände vors Gesicht. »O nein«, jammerte sie. »O nein!«
    [A. Christie – »Die Mausefalle«]

Apostroph statt mehrerer Buchstaben

Mit dem Apostroph kann auch das Auslassen von mehreren Buchstaben im Wortinneren anzeigen.

  • D’dorf (für Düsseldorf)
  • Ku’damm (für Kurfürstendamm)

Apostroph macht Wortstamm erkennbar

Der Apostroph dient auch dazu, den Wortstamm erkennbar zu machen, wenn es ohne schwerlesbar oder missverständlich wäre.

  • die Grimm’schen Märchen
  • das Ohm’sche Gesetz

Apostroph und der Genitiv

Das Hochkomma ersetzt im Genitiv den Buchstaben »s«, der dort üblicherweise dort steht, aber auf Grund mit einem s-Laut zusammenstoßen würde. Dies gilt für Worte, die auf »-s,-ss, -ß, -tz, -z, -x oder -ce« enden.

  • MORRIS’ SPIELWARENFABRIK, MIAMI, FLORIDA.
  • Die Frage, wie es Morris’ treuestem Mädchen beispielsweise gelungen war …
    [Stephen King – »Schlachtfeld« aus der Kurzgeschichtensammlung »Nachtschicht«]
  • Hans Sachs‘ Gedichte
  • Ringelnatz‘ Gedichte
  • Bordaux‘ Zentrum
    Achtung: Auf ein Plural -s folgt kein (!) Hochkoma.
  • Brechts Dramen
  • Hamburgs Reedereien

Falsche Verwendung des Apostrophs

Die Schreibweise »Martin’s Wäscherei« ist falsch! Das ist der angelsächsische (englische) Genitiv, der im Deutschen nicht zu suchen hat.

Fazit

  • Der Apostroph steht für eine Auslassung in einem Wort, die in der gesprochenen Sprache gerne weggelassen wird.
  • Wörter, die im Singular auf einen s-Laut enden, und im Genitiv stehen, bekommen statt der üblichen Genitiv-Endung »-s« ein Hochkomma. Alle anderen (!) Wörter erhalten ihr Genitiv-s ohne Hochkomma: »Marias Frittenbude«.
  • Steht ein Wort im Genitiv und im Plural, dann hat es, wenn die Plural-Endung »-s« oder einen anderen s-Laut lautet, kein Hochkomma.